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Google setzt in Europa nur noch auf erneuerbare Energie

Die vier eigenen europäischen Rechenzentren werde Google schon bald zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betreiben, erklärte der Infrastruktur-Experte der Kalifornier, Urs Hölzle. Das Internet sei kein großer Energiefresser mehr.

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Urs Hölzle stieß 1999 als Mitarbeiter Nummer 8 zum Team um Larry Page und Sergey Brin.

(Bild: Stefan Krempl)

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Google wird grüner: In Europa werde der Internetkonzern bereits in Kürze vollständig mit erneuerbaren Energien laufen, bekundete Urs Hölzle am Donnerstag in Berlin. Der Suchmaschinenprimus sei lange das einzige Online-Unternehmen gewesen, das langfristige Kaufverträge mit künftigen Produzenten erneuerbarer Energien abgeschlossen habe, führte der Schweizer aus. Zu den erstandenen Projekten zählten etwa Windfarmen, die zunächst nur auf dem Reißbrett existiert hätten. Sobald die Anlagen nun in Betrieb gingen, sei das umweltfreundliche Stromversorgungsziel auf dem alten Kontinent erreicht.

In Europa betreibt Google derzeit drei Datenzentren in Finnland, Belgien und Irland. Ein viertes entsteht gerade in Eemshaven in den Niederlanden. Diese werde "hoffentlich von Anfang an auf erneuerbaren Energien" basieren, erklärte der Leiter globale Infrastruktur des Internetriesen. Insgesamt unterhalten die Kalifornier Rechenzentren an 13 Standorten weltweit, sechs davon in den USA.

Über all diese hinweg betrage der Anteil der Erneuerbaren 35 Prozent, berichtete Hölzle. Seit 2007 liefen die Zentren Kohlendioxid-neutral. Aus Wind-, Solar- oder Wasserkraft habe Google mittlerweile über 1 Gigawatt angekauft, was sich in den nächsten zwei bis drei Jahren noch deutlich erhöhen werde. Den Strom über Solarpanels oder Windräder direkt vor Ort zu erzielen, mache ökologisch und ökonomisch aber keinen Sinn. Stromleitungen seien hier die bessere Lösung. Konkurrenten wie Apple, Yahoo oder Facebook liegen im Index für saubere Energien von Greenpeace derzeit noch vor Google.

Getrennt vom Eigenverbrauch ist der Konzern auch als Investor im Bereich grüner Energien unterwegs und hat dort mittlerweile über zwei Milliarden US-Dollar anlegt. Es gehe dabei um Beteiligungen in Höhe der Leistung von über 3 Gigawatt, verriet Hölzle. Der Informatiker geht hier von einem lukrativen Zukunftsgeschäft aus, da Technologie immer Energie brauche und zugleich helfen könne, letztere besser zu nutzen.

Das Internet selbst wird nach Hölzles Ansicht nicht immer mehr Energie schlucken. Dahinter stehe ein dreiteiliges System aus Servern, Netzwerken und Endnutzern mit Zugangsgeräten. Auf fast allen diesen Ebenen sei die Energieintensität stark zurückgegangen. So gäben sich Cloud-Anbieter etwa viel mehr Mühe für energieeffizienten Betrieb, da ein solcher ihr Kerngeschäft berühre. Ein eigener E-Mail-Server etwa in einer Firma sei dagegen wahrscheinlich auch tagsüber nicht voll ausgelastet, dazu komme noch ein Backup-Server, der nur Energie fresse. Bei Gmail befänden sich dagegen Millionen von Konten an einem Ort in einem Pool von Servern, der sich viel einfacher managen lasse. Bei einem Audit für eine US-Firma sei man so auf Stromersparnisse von 93 Prozent gekommen.

Bei den Clients laufe die Entwicklung ähnlich, rechnete Hölzle vor: Früher sei ein PC nötig gewesen, um ins Netz zu kommen. Ein Desktoprechner verbrauche etwa 150 Watt. Die heute üblichen Laptops verlangten 25 Watt, Tablets unter zehn, Smartphones vielleicht zwei Watt. Noch nicht ganz klar gestalte sich die Verbrauchskurve auf der Netzwerkseite. Insgesamt nehme so zwar die Internetnutzung zu, was aber den Gesamtenergieverbrauch nicht mehr erhöhen werde.

Im Internet der Dinge seien noch nicht alle Geräte wie Fernseher wirklich smart, räumte Hölzle ein. Thermostate etwa, wie sie Google inzwischen mit der Firma Nest Labs im Angebot hat, könnten aber programmiert und mit Software-Updates verbessert werden. So sei es möglich, Heizkörper auszuschalten, "wenn der Strom gerade besonders teuer ist".

Generell sieht Hölzle in erneuerbaren Energien die "große Chance, die Welt zu verändern", Kalifornien liege hier fünf bis zehn Jahre zurück gegenüber Deutschland beziehungsweise Europa. Hierzulande gebe es auch "genauso viel Talent wie in Kalifornien". Der großer Unterschied liege aber in der Experimentierfreude. So sei in den USA immer klar, dass nicht alle Ansätze funktionieren müssten. Es gelte als großer Erfolg, wenn eins von zehn Projekten abhebe. (mho)