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Google sieht kein Datenschutzproblem durch DoubleClick-Übernahme

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Wir sind die Guten. Das oft wiederholte Selbstverständnis des Suchmaschinen-Riesen hat in der Vergangenheit schon ein paar Kratzer abbekommen. Nach der überraschenden Übernahme des Werbevermarkters DoubleClick sieht sich Google heftiger Kritik von Konkurrenten und Datenschützern ausgesetzt, der Ruf nach den Kartellbehörden wird laut. Durch die Übernahme entstehe ein Datenmonster, dem die Bewegungsprofile einer Mehrheit der Internetnutzer zur Verfügung stehen. Der Internet-Gigant hält solche Befürchtungen für ungerechtfertigt. Ganz im Gegenteil, sagt Google: Durch die Übernahme werde der Datenschutz für Internetnutzer nur besser.

Eine Sprecherin erklärte gegenüber Wired, Google erwäge derzeit ein paar Ideen, um den Datenschutz für Nutzer zu verbessern, ohne dabei die den Anzeigenkunden zur Verfügung stehenden Informationen und Dienste zu beeinträchtigen. Das Unternehmen verweist auf die für alle Google-Dienste angekündigte Standard-Datenschutzrichtlinie, die laut Wired auch auf DoubleClick ausgedehnt werden soll. Zur Identifizierung geeignete Details sollen aus Datensätzen gelöscht werden, die älter als 18 Monate sind. Die Kritiker des 3,1 Milliarden US-Dollar schweren Deals kann das allerdings nicht beruhigen. Zumal DoubleClick für die Datenschützer ein alter Bekannter ist.

DoubleClick speichert das Surfverhalten jedes Nutzers in einem Cookie; auch Google sammelt emsig Daten. Zusammengelegt ergeben die Bestände der beiden großen Werbeanbieter eine riesige Datenbank, aus der sich auch Verhaltensprofile erstellen lassen. Das freut die Werbetreibenden, die ihre Anzeigen gerne so genau wie möglich platzieren. "Behavioral Targeting" heißt die Methode, die viel besser funktionieren soll, als sich an eine Hand voll Suchbegriffe zu halten. Der Datensammler folgt der Spur des Nutzers durch das Netz. Hat er genug Informationen über dessen Vorlieben auf seinem Cookie, kann er seine Werbung viel gezielter einsetzen.

Die Kritiker sehen darüber hinaus die Gefahr, dass die Daten missbraucht, gestohlen oder an Dritte weitergegeben werden. Die Datenschützer sehen sich in der ungewohnten Rolle, mit Microsoft und anderen Branchengrößen an einem Strang zu ziehen. "Die geplante Übernahme wirft ernste kartellrechtliche und Datenschutz-Fragen auf", hieß es dazu aus Redmond. Microsoft hatte zuvor auch für DoubleClick geboten. Jeff Chester vom Center for Digital Democracy warnte, wer den Online-Werbemarkt dominiere, habe auch die Kontrolle über "die Vielfalt und Verfügbarkeit der Online-Inhalte". Auch Kurt Opsahl, Anwalt für die Electronic Frontier Foundation (EFF), bezeichnete die Übernahme in der Los Angeles Times als "bedenklich". (vbr)

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