Menü

Google speicherte WLAN-Daten dauerhaft

vorlesen Drucken Kommentare lesen 168 Beiträge

Der Internetdienstleister Google hat während seiner Kamerafahrten für den Straßenansichtsdienst Street View dauerhaft Daten aus offenen Funknetzen gespeichert. Bei einer ersten detaillierten Überprüfung des Computersystems an Bord eines Kamerawagens habe sich gezeigt, dass für die WLAN-Erfassung sowohl die frei verfügbare Software Kismet als auch ein Google-spezifisches Programm eingesetzt wurden, teilte Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar mit. Dieses protokolliere die von Kismet empfangenen WLAN-Daten und speichere sie dauerhaft auf einer Festplatte. "In den Protokollen ließen sich in dem WLAN-Test übertragene Daten eindeutig wiederfinden."

Die Prüfungen fanden nach Angaben des Datenschützers auf dem Computersystem an Bord eines Street-View-Fahrzeugs statt. Sie hätten einen weitgehend authentischen Blick auf den Produktivbetrieb ermöglicht. Die Erfassung von WLAN-Netzen sei in einem geschützten Umfeld in einer Testsituation simuliert worden.

Caspar betonte: "Aufgrund der Bedeutung der Angelegenheit halten wir eine lückenlose Aufklärung für unabdingbar." Deshalb benötigten die Datenschützer für die von Google zugelassene Überprüfung nun weitere Informationen, etwa über den Quellcode der eingesetzten Software und letztlich auch eine Festplatte mit Originaldaten. "Ich erwarte von Google, dass der nun eingeschlagene Weg der Kooperation und Transparenz weiter beschritten wird", sagte Caspar.

Wegen der Speicherung privater WLAN-Daten durch Google hat die Staatsanwaltschaft Hamburg bereits Mitte Mai ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht des Abfangens von Daten. Google hatte zuvor eingeräumt, bei seinen Kamerafahrten auch Nutzerdaten aus offenen WLAN aufgezeichnet zu haben. Zuvor hatte das Unternehmen noch behauptet, keine Nutzdaten ("payload data") zu speichern. (anw)