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Google sperrt Viagogo als Werbekunden aus

Die Ticketplattform Viagogo missfällt nicht nur Verbraucherschützern. Nun will auch Google die Plattform nicht mehr als Werbekunden.

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(Bild: viagogo.de)

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Google untersagt der umstrittenen Online-Ticketbörse Viagogo seit Mittwoch, Suchmaschinenwerbung zu schalten. Das dürfte eine Reaktion auf zahlreiche Beschwerden und weltweite Kritik an den Geschäftspraktiken Viagogos sein. "Wenn Menschen unsere Plattform für den Ticketkauf nutzen, wollen wir sichergehen, dass sie eine vertrauenswürdige Erfahrung machen“, erklärte Google in einer Stellungnahme an Medien. "Daher haben wir strenge Richtlinien und ergreifen notwendige Maßnahmen, wenn Werbetreibende dagegen verstoßen."

Viagogo zeigte sich in einer Stellungnahme gegenüber der BBC gesprächsbereit: „Wir sind sehr überrascht, von Googles Bedenken zu erfahren. Wir sind sicher, dass kein Verstoß gegen die Regeln vorliegt und arbeiten gern mit Google zusammen, um das Problem so schnell wie möglich zu lösen.“ Viagogo wurde 2006 in London gegründet und ist eigenen Angaben nach die weltgrößte Börse für Weiterverkauf von Tickets. Webtraffic über Suchmaschinen ist ein zentraler Faktor für das Geschäft. Das in der Schweiz beheimatete Unternehmen betreibt lokalisierte Webseiten in zahlreichen Ländern – in manchen davon hat die Plattform auch bereits juristischen Ärger am Hals.

In Deutschland etwa erhielt das Portal 2017 eine Abmahnung von Verbraucherschützern der Verbraucherzentrale Bayern. Die blieb ohne Reaktion, weshalb 2018 eine Klage vor dem Landgericht München folgte. Das gab den Verbraucherschützern Anfang Juni recht – vor wenigen Tage legte Viagogo aber Berufung gegen das Urteil ein.

Die Plattform vermittelt eigentlich nur zwischen privaten Verkäufern und Käufern von Tickets, trete laut Kritik der Verbraucherschützer aber wie ein offizielles Ticket-Verkaufsportal auf. So sei es während des gesamten Kaufprozesses für Kunden nicht ersichtlich, dass Viagogo nur Vermittler und nicht Verkäufer sei. Zudem bliebe das Risiko, dass Tickets nicht geliefert oder überteuert verkauft werden, am Käufer hängen. Ebenfalls bestehe das Risiko, dass man personalisierte Tickets erhalte, die weiterverkauft unbrauchbar sind. Auch die Ausweisungen von Preisen und gegebenen Garantien seien irreführend.

In Großbritannien wiederum wandten sich laut Bericht des Guardian vergangenes Jahr Musik- und Sportveranstalter sowie Politiker in einem offenen Brief an Google, keine Werbung mehr für Viagogo zuzulassen. Über die Suchmaschine würden Käufer oft auf dem Portal landen und Tickets mit hohem Aufschlag kaufen, auch wenn es im regulären Verkauf eigentlich noch Karten gebe. Inzwischen hat auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA angekündigt, gegen Viagogo vorzugehen, nachdem die Plattform zuvor erteilte Auflagen ignorierte.

Teilweise werden sogar Musiker selber gegen Viagogo aktiv. Die Band Rammstein erwirkte Ende 2018 eine einstweilige Verfügung, die es dem Portal untersagte, Tickets für 2019 stattfindende Stadionkonzerte der Gruppe anzubieten. Man setze sich "konsequent gegen den Weiterverkauf überteuerter und ungültiger Tickets ein“, teilte die Band mit. Auch für die Tour 2020 warnte Rammstein vor Viagogo – gültig sei nur der Kauf eines personalisierten Tickets über Eventim. Wer über Viagogo kaufe, werde nicht eingelassen. (axk)