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Google stellt Website zum Widerspruch gegen Street View online [Update]

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Der Internetdienstleister Google hat eine Website online gestellt, auf der Mieter und Eigentümer veranlassen können, dass ihre Häuser im Straßenansichtsdienst Street View unkenntlich gemacht werden. Betroffenen in den angekündigten 20 Städten in Deutschland, in denen Street View später in diesem Jahr starten soll, räumt Google vier Wochen Zeit ein, um die Bilder der Häuser vorab unkenntlich zu machen.

Der Mieter oder Eigentümer markiert auf einer Satellitenaufnahme das Haus und gibt in ein Formular die Adresse ein, außerdem die Anzahl der sichtbaren Stockwerke, eine Beschreibung des Daches und optional weitere Angaben zum Grundstück. Diese Angaben sollen den Google-Mitarbeitern helfen, die Aufnahmen von Haus und Grundstück zu finden. Anschließend schickt Google dem Nutzer per Post einen Brief zu, der einen Verifizierungscode enthält. Dieser muss von Einwohnern der 20 Städte, in denen Street View dieses Jahr starten soll, bis zum 6. Oktober 2010 auf einer weiteren Website eingegeben werden. Für alle anderen Gebiete kann der Verifizierungscode bis zum 31. Dezember 2010 eingegeben werden.

[Update: Kurz nach dem Start des Formulars war es nur über die Web-Browser Firefox, Safari, Opera, Chrome und Netscape zu bedienen. Nutzer anderer Web-Browser wie den Internet Explorer hatten dagegen keinen Zugriff auf die Website, bestätigte Google-Sprecher Stefan Keuchel gegenüber heise online. Der Fehler sei behoben worden. Doch inzwischen scheint das Google-Formular generell schlecht zu erreichen sein. Eine Erklärung dafür hatte Google noch nicht parat.]

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte im Hamburger Abendblatt Google auf, die Widerspruchsmöglichkeiten auszuweiten. Die Ministerin betonte, dass sie die von Google eingeräumte 4-Wochen-Widerspruchsfrist für zu kurz hält. Eine Verdoppelung der Frist auf acht Wochen sei wünschenswert, so Aigner.

Google sei mit der Ankündigung, Street View noch in diesem Jahr zu starten, mitten in die Sommerferien mehrerer Bundesländer geplatzt, kritisierte Aigner. Google habe damit viele Bürgerinnen und Bürger überrumpelt. Sie warnte angesichts der Debatte um Google Street View vor gesetzlichen Schnellschüssen beim Datenschutz im Internet. Die Herausforderung an die Politik werde sein, eine vernünftige Balance zu finden zwischen den neuen technischen Möglichkeiten, von denen auch viele Verbraucher profitierten, und dem Schutz der Privatsphäre der Bürger.

Andreas Türk, der Produktmanager von Google Maps, betonte, auch nach dem Start bestehe "jederzeit und dauerhaft die Möglichkeit", die Bilder in Street View unkenntlich zu machen. "Das Verfahren ist für Street View weltweit üblich und erprobt." Die seit April 2009 bestehenden Vorab-Meldemöglichkeiten via Mail und auf dem Postwege seien nach Absprachen mit den zuständigen Datenschutzbehörden speziell für Deutschland entwickelt worden. Google kümmere sich selbst darum, dass Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich gemacht werden, ohne dass dies beantragt werden müsse. Das Bundesverbraucherschutzministerium informiert auf seiner Website über Widerspruchsmöglichkeiten. (anw)