Google sucht am liebsten bei Google

Von wegen objektiv und algorithmusgesteuert: Eine Studie wies nach, dass Google und Yahoo beim Ranking Angebote aus dem eigenen Haus bevorzugen.

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Google, Bing und Yahoo bevorzugen beim Ranking der Suchtreffer Produkte aus ihrem eigenen Haus und verzerren so den Wettbewerb – dies ist das Ergebnis einer Studie von Benjamin Edelman. Problematisch sei dies vor allem bei Google wegen seiner marktbeherrschender Stellung, erklärte der Professor an der Harvard-Universität, der Google schon öfter auf die Füße getreten ist.

Edelman und sein Mitarbeiter Benjamin Lockwood experimentierten im August 2010 mit 32 Suchbegriffen. Die Suchmaschinen von Google und Yahoo – letztere war damals noch eigenständig – zeigten eine deutliche Tendenz, ihre eigenen Angebote als ersten Suchtreffer oder unter den ersten drei anzuzeigen. Da laut comScore etwa drei Viertel aller Suchmaschinennutzer den ersten Treffer anklicken, ist dies von großer Bedeutung. Bei Bing ist die Bevorzugung von Microsoft-Angeboten deutlich schwächer, allerdings berücksichtigten Edelman und Lockwood nicht die Nähe zwischen Yahoo und Microsoft, die die Objektivität der Bing-Ergebnisse beeinflusst haben könnte.

Edelman und Lockwood bestreiten auch, dass die Bevorzugung eigener Angebote den Vorlieben des Nutzers entspreche: Bei bestimmten Suchanfragen ignorierten die Benutzer nämlich gegen ihre sonstigen Gewohnheiten mehrheitlich den ersten Suchtreffer und wichen auf ein Angebot der Konkurrenz aus – zum Beispiel bei der Suche nach "mail" in Google, wo Yahoos Dienst gefragter war als Google Mail. Edelman und Lockwood ziehen daraus den Schluss, dass Google seine Suchtreffer nicht in jedem Fall "algorithmusgesteuert", "objektiv" und "niemals manipuliert" sortiert – ein Anspruch, den vor allem Google offensiv vertritt. (heb)