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Google und Apple wetteifern um die Datenschutzkrone

Nach dem PR-trächtigen Start einer Apple-Offensive zum Sichern der Privatsphäre der iPhone-Nutzer keilt Eric Schmidt, Chef des Verwaltungsrats von Google, zurück: Man sei der Konkurrenz bei der IT-Sicherheit weit voraus.

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Zwischen Google und Apple ist im Lichte der NSA-Affäre ein technischer und rhetorischer Wettkampf um den besten Datenschutz entbrannt. Mit einer persönlichen Botschaft von Apple-Chef Tim Cook startete der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino jüngst eine einschlägige Offensive, wonach sich Behörden etwa mit dem neuen Betriebssystem iOS 8 keinen einfachen Zugang mehr zu iPhones und iPads mit Passwort-Schutz verschaffen können. Gezielt unterstrich Cook dabei auch erneut, dass man im Unterschied etwa zu Google kein Geld mit Werbung über Online-Dienste verdiene, sondern hauptsächlich mit dem Geräteverkauf.

Eric Schmidt, Chef des Verwaltungsrats von Google, hat den Fehdehandschuh jetzt aufgenommen. "Wir waren schon immer der Spitzenreiter in den Bereichen Sicherheit und Verschlüsselung", erklärte der Vertreter des Suchmaschinengiganten aus dem benachbarten Mountain View gegenüber CNNMoney. "Unsere Systeme sind weitaus sicherer und besser verschlüsselt als die aller anderen", betonte Schmidt und bezog Apple ausdrücklich mit ein. Aber die restlichen IT-Hersteller holten auf, "was hervorragend ist."

Apple fahre einen anderen Ansatz als viele Konkurrenten, hatte Cook vorgelegt. Schon beim Design eines neuen Produkt lege Apple Wert darauf, möglichst wenig personenbezogene Daten zu sammeln. Cook sei "nicht korrekt" über die Regeln Googles zum Schutz persönlicher Informationen aufgeklärt worden, giftete Schmidt nun zurück: "Ich bedauere ihn deswegen."

Google hatte jüngst nach Apples iOS-Ankündigung rasch nachgelegt und erklärt, die Datenverschlüsselung werde mit der nächsten Version des Mobilsystems Android standardmäßig aktiviert. Unter anderem wegen seiner Zusammenführung personenbezogener Informationen über alle eigenen Dienste hinweg steht der Konzern aber in der Kritik.

Bürgerrechtler und Datenschutzexperten freut der neue Wettstreit der IT-Titanen. Es sei "herzerwärmend" zu sehen, dass US-Konzerne Datenschutz und -sicherheit "als einen Unternehmensvorteil erkennen", sagte die Rechtsprofessorin Catherine Crump "Ars Technica". Vor zwei Jahren wäre in den USA noch kaum jemand auf diese Idee gekommen. Die Entwicklung zeige, dass sich die Idee verbreite, wonach die US-Regierung auf ihrer Jagd nach persönlichen Daten zu weit gegangen sei. Washington und US-Sicherheitsbehörden sind dagegen wütend. Sie fürchten, im Kampf gegen Terroristen und Kinderschänder ins Hintertreffen zu geraten. (keh)