Google und Facebook tracken auch auf Sex-Websites

Forscher haben mehr als 22.000 pornografische Websites analysiert – und auf 93 Prozent der Seiten Tracker entdeckt, darunter auch die von Google und Facebook.

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(Bild: Shutterstock/Dmitri Ma)

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Tracker von Google und Facebook sind überall – auch auf Sex-Websites. Im Rahmen einer Untersuchung haben Forscher 22.484 pornografische Angebote analysiert und zahlreiche Tracker von Drittanbietern entdeckt. Was mit den erfassten Daten passiert, bleibt oft unklar.

Die Betreiber von Sex-Sites sollten mehr darüber nachdenken, dass sie Daten speichern, die ähnlich sensibel sind wie Gesundheitsinformationen, meint Dr. Elena Maris, Postdoc bei Microsoft sowie Hauptautorin der Studie "Tracking Sex". "Der Schutz dieser Daten ist für die Sicherheit der Besucher von entscheidender Bedeutung", erklärt Dr. Maris in der New York Times. "Was wir gesehen haben, deutet darauf hin, dass diese Websites und Plattformen das alles vielleicht nicht so durchdacht haben, wie sie es hätten tun sollen."

Die Forscher Dr. Maris, Timothy Libert und Jennifer Henrichsen fanden heraus, dass 93 Prozent der untersuchten Porno-Websites erfasste Daten an durchschnittlich 7 Dritt-Domains gesendet haben. Die Forscher nutzten für ihre Untersuchungen das Open-Source-Tool webXray, das Third-Party-Elemente auf Webseiten aufspürt. Die meisten Informationen wurden über Tracking-Cookies an Drittunternehmen gesendet. Auf 74 Prozent der Porno-Sites waren Tracker von Google sowie dessen Tochterunternehmen wie der Werbeplattform DoubleClick zu finden. Auf 24 Prozent der Websites fanden die Forscher Tracker von Oracle. Facebooks Tracker waren auf immerhin 10 Prozent der untersuchten Sites eingebunden – was einigermaßen lustig ist, denn auf Facebook selbst sind Nacktheit und Sex strikt tabu.

Was Tracker angeht, gibt es also kaum einen Unterschied zwischen Onlineshops und Pornoseiten. Nur dass der Besuch von Letzteren eben etwas sehr Persönliches ist, gibt Dr. Maris zu bedenken. Es sei schließlich eine andere Sache, wenn man sich einen Pullover online anschaut, der einen dann durchs gesamte Netz verfolgt. Ein weiteres Problem: Lediglich 17 Prozent der 22.484 Sites waren via HTTPS verschlüsselt – Dritte könnten also sehr persönliche Daten abgreifen.

Tracker wie die von Google Analytics messen den Erfolg einer Seite, während Werbetracker versuchen, Nutzer über mehrere Websites zu verfolgen, um ein Interessen-Profil zu generieren. Werbetreibende argumentieren, dass die Daten doch anonym seien. Allerdings können erfasste Informationen wie die IP-Adresse dazu genutzt werden, die Identität eines Nutzers zu lüften und ihn mit bereits vorhandenen Werbe-Profilen zu verknüpfen. Was die Unternehmen aber mit den Daten von Sex-Sites machen, ist unklar. Datenschutzerklärungen, die auch über verwendete Cookies und Tacker informieren, haben nur die wenigsten Sex-Sites – nämlich 17 Prozent der untersuchten Angebote. Die Texte waren dann allerdings so unverständlich formuliert, dass Nutzer nach der Lektüre auch nicht schlauer waren. "Man bräuchte eine zweijährige College-Ausbildung, um sie zu verstehen", kritisieren die Autoren im Abstract ihres Papers.

Google und Facebook erklärten laut New York Times, dass sie Informationen, die ihre Tracker auf pornografischen Websites erfassen, nicht verwenden würden, um Werbe-Profile zu bilden. Ein Google-Sprecher erklärte außerdem, dass Google-Werbeanzeigen (Google Ads) auf Seiten mit "Erwachseneninhalten" nicht erlaubt seien. "Und wir verbieten personalisierte Werbung und Werbeprofile, die auf den sexuellen Interessen eines Nutzers oder damit verbundenen Aktivitäten online basieren."

Facebook äußerte sich ähnlich, die Nutzungsbedingungen verböten den Einsatz von Werbetracking-Tools auf Sex-Websites klar. Jeder Seitenbetreiber kann Facebooks Trackingpixel allerdings einfach einbinden. Erkennt Facebook eine pornografische Website, wird diese aber geblockt und es werden keine Informationen über den dort eingebundenen Tracker mehr erfasst. Oracle äußerte sich auf Nachfragen der New York Times nicht.

Doch selbst, wenn am Ende lediglich die aufgerufene URL in den Logs der Unternehmen landet, wäre das für viele Nutzer schon unangenehm. Fast 45 Prozent der Porno-Websites verwenden nämlich sehr eindeutige URLs, die den Seiteninhalt deutlich verraten oder zumindest stark andeuten, so die Autoren der Untersuchung. Allein die URL kann bereits die sexuellen Vorlieben oder die sexuelle Orientierung des Nutzers verraten. "Das alles kann sehr sensibel sein", sagt Dr. Maris. (dbe)