Menü

Google vs. Bing: Offener Schlagabtausch um Suchmaschinen-Ergebnisse

vorlesen Drucken Kommentare lesen 138 Beiträge

Google hatte in einer aufwendigen Aktion versucht nachzuweisen, dass Microsofts Suchmaschine Bing auch auf Google-Treffer zurückgreift, um die eigenen Ergebnisse zu verfeinern. Google veröffentlichte die Geschichte nicht wie sonst üblich selbst, sondern erzählte sie exklusiv dem Blogger Danny Sullivan, der sich seit 15 Jahren mit Internet-Suchmaschinen beschäftigt. Sullivan brachte einen ausführlichen Bericht in seinem Blog Search Engine Land. Mittlerweile hat Google auch ein eigenes Blog-Posting veröffentlicht, das die Untersuchungen Googles im Detail erläutert.

Demnach fiel Google im vergangenen Oktober auf, dass es bei zwei Parametern auf einmal höhere Überschneidungen zwischen den beiden Suchmaschinen gab: Die zehn Top-Treffer und das passendste Ergebnis, das an oberster Stelle steht. Von da an habe Google Verdacht geschöpft, schrieb Sullivan unter Berufung auf Amit Singhal, der beim Marktführer den Suchmaschinen-Algorithmus beaufsichtigt.

Deswegen stellte Google eine Falle auf: Die Treffer für mehrere sinnlose Suchanfragen wie "mbzrxpgjys" wurden manipuliert. Nach der Vorbereitung sollten Google-Mitarbeiter die Anfragen von zuhause aus in Microsofts Browser Internet Explorer stellen und das Suchergebnis auch anklicken. Dem Bericht zufolge dauerte es zwei Wochen – vom 17. bis 31. Dezember – bis Bing für "mbzrxpgjys" oder "hiybbprqag" die gleichen Ergebnisse wie Google anzeigte. Am Dienstagnachmittag tauchte bei Microsofts Suchmaschine nach diesen Suchanfragen nur noch der Link zu Sullivans Artikel auf – der Blogger belegte die Darstellung aber mit Screenshots aus den Tagen davor.

Google vermutet als mögliche Erklärung, dass der Internet Explorer und die Bing-Toolbar Informationen über Suchanfragen und danach angesteuerte Websites an Microsoft weiterleiten könnten und die Daten zur Verfeinerung des Such-Algorithmus genutzt werden. Google betrachte das als Schummeln, betonte Singhal.

Microsoft konterte in einem Blogeintrag, Bing nutze für das Ranking der Suchergebnisse mehr als 1000 verschiedene Parameter, und Google habe mit dem Test zu Unrecht nur einen einzelnen davon in den Vordergrund gestellt. Mehr noch, Microsoft ging zum Gegenangriff über und warf dem Marktführer vor, des eigenen Profits wegen für Nutzer wertlose Spam-Websites zu dulden. 70 Prozent solcher Seiten führten Google-Werbung, argumentierte Bing-Manager Harry Shum bei einer Branchenveranstaltung. Googles ebenfalls anwesender oberster Spam-Bekämpfer Matt Cutts wies den Vorwurf postwendend zurück.

Bei der Auseinandersetzung um die Ergebnisse ihrer Suchmaschinen geht es sowohl Google als auch Bing um ein zentrales Element ihrer Internet-Geschäftsmodelle. Daher schlagen Verteter beider Unternehmen derzeit auf allen erdenklichen Kanälen aufeinander ein. Unter anderem greifen sich die Verantwortlichen auch auf Twitter an. Microsoft-Sprecher Frank Shaw etwa mutmaßte, Google wolle mit der ganzen Aktion nur von den laufenden Wettbewerbsuntersuchungen ablenken. Techcrunch hat einige Tweets der Verantwortlichen gesammelt. (jo)