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Google will deutschen Export übers Internet ankurbeln

Google Deutschland hat zusammen mit Partnern wie DHL und Paypal eine Initiative gestartet, um der hiesigen Wirtschaft brachliegendes Online-Potenzial für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel aufzuzeigen.

Deutschland gehört zwar weltweit zu den führenden Nationen beim Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen. Doch "im Export werden Möglichkeiten des Internets noch nicht ausreichend genutzt", meint der Chef von Google Deutschland, Philipp Justus. Der Internetriese will hiesigen Unternehmen nun auf die Sprünge helfen und hat dazu mit Partnern wie dem Logistikexperten DHL, dem Zahlungsanbieter Paypal, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und dem Übersetzungsspezialisten Kern AG die Initiative Weltweit wachsen: Deutschland exportiert online ins Leben gerufen.

Wollen deutsche Exporte online voranbringen: Christoph Wenk-Fischer vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels, Roland Heger (Uni Reutlingen), Philipp Justus (Managing Director Google Germany) und Roman Berthenrath vom IW Köln.

(Bild: Stefan Krempl)

"Es ist Zeit für einen neuen Online-Export-Gründergeist", erklärte Justus bei der Präsentation des Projekts am Dienstag in Berlin. Los gehen wird es dem Manager zufolge mit Seminaren in vielen Städten zur Starthilfe, bei denen gratis Marktinformationen und kostenpflichtige Dienstleistungen rund um die Online-Unterstützung des Ausfuhrwesens angeboten werden. Im Juni soll dann die zugehörige Online-Plattform stehen, um die vollen Möglichkeiten des Internets zum Erschließen neuer Märkte aufzuzeigen.

"Wir bringen unsere Online-Expertise in der Suche und der Vermarktung ein", erläuterte Justus das Interesse Googles an dem Vorhaben. Den Einstieg in das geplante Webangebot werde eine Eingabemaske für Produkte und Dienstleistungen darstellen, die laut einer vor Ort zu besichtigenden Vorversion der Suchmaske des Konzerns ähnelt. Im Hintergrund soll eine automatische Übersetzung mit Google Translate ablaufen.

Ferner kündigte Justus ein Planungswerkzeug für den Werbedienst Adwords der Kalifornier an. Darüber könnten neben "Wachstum und Verlauf der Suchanfragen" auch durchschnittliche Klickpreise für bestimmte Schlüsselwörter länderübergreifend ausgemacht werden. So sei etwa herauszufinden, dass die Online-Vermarktung bestimmter Industrierohre derzeit in Mexiko besonders günstig bei vergleichsweise hoher Nachfrage sei. Obendrauf spendiert Google 150 Euro Guthaben für alle erstmaligen Adwords-Nutzer. Für die lokale Expertensuche kommt natürlich Google Maps zum Einsatz.

Abgerundet werden soll die Plattform von einem Werkzeug zum Erstellen eines Exportplans und Online-Videos akademischer Partner wie der Universität Leipzig. Auch Länderprofile sind vorgesehen, die über den Vernetzungsgrad, die Breitbanddurchdringung sowie Ansprechpartner bei Industrie- und Handelskammern aufklären. Schon jetzt verweist die Seite auf Beispiele, wie Handwerker oder kleine Firmen übers Netz "Global Player" werden können anhand eines Kuckucksuhrmachers aus dem Schwarzwald und des Aachener Spezialisten Ethen Rohre.

Solche positive Beispiele gibt es hierzulande noch zu wenige, meint Roman Berthenrath, Leiter Forschung und Analyse beim Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Deutschland habe Nachholbedarf in digitalen Märkten, konstatiert der Experte auf Basis einer parallel veröffentlichten Studie (PDF-Datei). Es liege unter den führenden 39 Exportländern im letzten Drittel derer, die das Internet gezielt in den vergangenen Jahren für das Gesamtwachstum des Ausfuhrwesens einsetzten. Insbesondere China habe sich hier deutlich "dynamischer" entwickelt.

Die durchs Internet generierten zusätzlichen Exportumsätze liegen bei der deutschen Industrie bei zehn, bei Dienstleistungen bei zwölf Prozent, berichtete Berthenrath. In barer Münze ausgedrückt liege die Steigerung bei knapp 200 Milliarden Euro. Der entsprechende Beitrag solle aber auf bis zu 57 Prozent wachsen in den kommenden Jahren. Dafür müssten viele hiesigen Firmen noch lernen, sich übers Internet neue Exportmärkte ernsthaft zu erschließen.

Laut einer IW-Umfrage bei rund 1000 deutschen Unternehmen haben 35 Prozent angegeben, dass die Online-Vermarktung bei ihnen noch ein Thema für Spezialisten sei und allgemein keine große Rolle spiele. Mitarbeiter würden nicht flächendeckend zum sachgerechten Umgang mit dem Internet befähigt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen fühlten sich durch Online-Aktivitäten ausländischer Wettbewerber auch verstärkt unter Druck gesetzt. Dazu komme eine "Angst vor zuviel Transparenz", da über Internetauftritte Geschäftspläne mehr oder weniger offen liegen. (Stefan Krempl) / (axk)

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