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Googles Geschäft: Werbung ist nicht alles

Googles Profitmaschine läuft und der Umsatz wächst und wächst. Das Sorgenkind Motorola wird abgegeben, die Abhängigkeit von fremden Webseiten geht leicht zurück und die Aktie ist derweil so teuer wie nie.

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Wieder einmal hat Google Umsatz und Gewinn deutlich erhöht. Die am Donnerstagabend veröffentlichten Finanzzahlen für das vierte Quartal 2013 zeigen, dass der Laden läuft wie geschmiert. Nachdem der Aktienkurs in den letzten Tagen um etwa fünf Prozent gefallen war, legte er am Donnerstag wieder zu.

Schon vor der Bekanntgabe der Zahlen kamen 2,57 Prozent dazu. Danach, im nachbörslichen Handel, stieg ihr Wert noch einmal um 4,11 Prozent. Am Ende des Tages erreichte die Aktie mit 1182,10 US-Dollar einen neuen Rekordwert.

Das Haar in der Suppe wäre die Tochterfirma Motorola Mobility. Sie ist nicht nur defizitär, sondern auch auf einem schlechten Weg. Der Umsatz im vierten Quartal war mit 1,243 Milliarden US-Dollar 18 Prozent geringer, als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig ist der Verlust mit 384 Millionen US-Dollar mehr als doppelt so hoch ausgefallen (+153 Prozent).

Anders ausgedrückt: Im vierten Quartal 2012 betrug der Geschäftsverlust bei Motorola Mobility zehn Prozent des Umsatzes. Ein Jahr später sind es 31 Prozent. Google allein – ohne Motorola – behält hingegen von jedem eingenommenen US-Dollar 34 Cent als Geschäftsgewinn. Doch Google verkauft die zum Ballast gewordene Handyfirma nun an Lenovo, behält sich aber das Patentportfolio sowie die mit der Entwicklung der nächsten Hardwaregeneration(en) betraute Abteilung.

Das Problem Motorola Mobility wird Google also nicht auf Dauer belasten. Nachdem Google schon zuvor Motorola Mobilitys Standgerätesparte sowie zwei Fabriken verkauft hatte, und die bei der Tochterfirma aufgelaufenen Verluste zur Steuerschonung nutzen konnte, ist die Tochter nun kein finanzielles Problem mehr.

Werbung auf eigenen Seiten bleibt der Kerne, aber drumherum kommt immer mehr dazu.

(Bild: dpa, Martin Gerten)

Betrachtet man Google ohne Motorola, stammen die Einnahmen vor allem aus dem Verkauf von Werbung. Und fast die Hälfte des Geldes kommt aus einem einzigen Land, den Vereinigten Staaten von Amerika. Aus strategischer Sicht ist eine solch einseitige Positionierung riskant.

Doch hier ist Google auf einem guten Weg: Die "sonstigen Einnahmen", also nicht mit dem Verkauf von Reklame erwirtschaftetes Geld, haben sich im vierten Quartal fast verdoppelt. Im Gesamtjahr 2013 haben sie sich sogar mehr als verdoppelt. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um Einnahmen aus dem Play-Store, über den Google Apps, Musik, Text- und Videoinhalte sowie Endgeräte vertreibt.

Werbung auf Google-eigenen Webseiten bringt nach wie vor zwei Drittel des Umsatzes. Rückläufig ist die Bedeutung der vermarkteten Werbeflächen auf Webseiten Dritter. Dieser Umsatz ist in den letzten beiden Quartalen kaum gestiegen. Vor einem Jahr brachten sie noch 26,6 Prozent des Umsatzes, zuletzt waren es nur noch 22,4 Prozent. In diesem Bereich ist die Konkurrenz stärker.

Und in geographischer Hinsicht ist der Anteil des außerhalb der USA erwirtschafteten Umsatzes in einem Jahr von 53,6 auf 55,8 Prozent gestiegen. Das ist keine Umwälzung, aber der Trend passt.

Im Unterschied zu Facebook wachsen Googles Kosten parallel zu den Einnahmen. Es zeichnen sich also keine Skalengewinne ab. "Wir erwarten, dass wir weiterhin intensiv in Sachanlagen investieren werden", heißt es unmissverständlich in Googles Mitteilung. Im vierten Quartal waren das 2,3 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich in Rechenzentren und Immobilien flossen.

Doch Google kann es sich leisten. Zum Jahresende saß der Konzern auf einem noch größeren Geldberg, als vor einem Jahr: 18,9 Milliarden US-Dollar Bargeld (plus 28 Prozent), dazu noch 39,8 Milliarden US-Dollar in frei verkäuflichen Wertpapieren (plus 20 Prozent). (Daniel AJ Sokolov) / (mho)

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