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Googles Kerngeschäft wächst immer langsamer

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Im Silicon Valley hängt der Himmel längst nicht mehr voller Geigen. Zwar behauptet sich die Branche noch gegen die US-Kreditkrise – zumindest behauptet sie das. Doch macht sich Nervosität breit, dass die IT-Industrie nicht ganz so immun gegen die Tumulte auf den Finanzmärkten ist, wie das bisher gerne dargestellt wurde. Wenn die Zeichen darauf hindeuten, dass auch die Gelddruckmaschine des Milliardenkonzerns Google langsamer läuft, wird die Frage nach dem Warum laut.

Nach neuen Zahlen der US-Marktforscher von ComScore wächst Googles Kerngeschäft Monat für Monat ein bisschen langsamer. Der Suchmaschinenanbieter verdient sein Geld mit bezahlten Klicks auf Textanzeigen. Medienberichten zufolge verzeichnete Google im Oktober 2007 – verglichen mit dem gleichen Monat des Vorjahres – bei bezahlten Klicks noch einen Zuwachs von 37 Prozent. Tendenz fallend: Im November waren es noch 27 Prozent, 12 Prozent im Dezember. Das Jahr 2008 begann mit einem Nullwachstum, im Februar ging es mit 3 Prozent wieder leicht aufwärts. ComScore stellt diese Zahlen nur Analysten zur Verfügung; Google wollte sie gegenüber US-Medien nicht kommentieren.

Zwar geht es hier immer noch um Wachstumsraten – bis auf den Januar verzeichnete Google jeden Monat mehr Klicks als im Vorjahresmonat und lag im Februar auch über dem Marktschnitt –, doch die auf Wachstum fixierten Finanzmärkte nehmen so einen Geschwindigkeitsverlust übel. Googles Aktie ging entsprechend in den Sinkflug: von fast 750 US-Dollar im November auf 444 US-Dollar zum Börsenschluss am Donnerstag. Der Börsenwert des Suchmaschinenriesen schrumpfte in wenigen Monaten um 72 Milliarden US-Dollar (45,9 Milliarden Euro).

Nach Bekanntwerden der ComScore-Zahlen büßte das Papier am Donnerstag rund 3 Prozent ein. Allerdings glauben Analysten nicht, dass die wenig ermutigenden Zahlen die Aktie schwerer unter Druck setzen werden. Einige Experten rechnen zwar damit, dass Google die ursprünglich hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen wird, wenn es voraussichtlich am 17. April das Ergebnis des ersten Quartals bekannt gibt. Doch seien die enttäuschenden ComScore-Zahlen schon im Aktienkurs berücksichtigt. Schon im Abschlussquartal 2007, in dem Google 3,4 Milliarden US-Dollar umsetzte und 1,2 Milliarden verdiente, sahen Skeptiker Anzeichen für den Fall-Out der Kreditkrise.

Andere halten die Klick-Daten für ein Zeichen steigender Qualität – weniger Klicks, die aber mehr Geld einbringen – und halten das auf lange Sicht für ein gutes Omen. Auch ComScore, Google selbst und einige Analysten führen die Abschwächung auf die Bemühungen des Suchmaschinenanbieters für mehr Qualität im Anzeigenbereich zurück. Das habe zwar zu weniger Klicks geführt, aber auch weniger Streuverlusten und höheren Klickpreisen. Dazu gibt Google zu bedenken, das Geschäftsmodell könne nicht alleine nach dem Wachstum der Klickzahlen beurteilt werden. Andere Faktoren, wie etwa der Preis eines Klicks, sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Nicht alle Beobachter wollen noch andere, übergeordnete Einflüsse ausschließen. So gibt es Befürchtungen, dass die Krise an den Finanzmärkten auf den IT-Sektor übergreifen und auch Unternehmen wie Google zu schaffen machen könnte. So hätten die Finanzdienstleister, traditionell starke Anzeigenkunden, ihre Ausgaben bereits zurückgeschraubt. Wenn darüber hinaus die Verbraucher den Gürtel enger schnallen müssen, weil den bei Banken das Geld nicht mehr so locker sitzt, sinkt auch die Bereitschaft, auf ein Google-Ad zu klicken.

Wenig beruhigend ist da, dass Googles andere Aktivitäten – auf dem Mobilfunksektor oder bei Social Networks – die Entschleunigung des Kerngeschäfts noch nicht kompensieren können. Doch bleibt die Wall Street einigermaßen relaxed und zeigt Vertrauen, dass sich Google im Laufe des Geschäftsjahres berappeln wird. Mit der Übernahme von DoubleClick, die inzwischen auch die kritischen Europäer abgesegnet haben, will Google dem Kerngeschäft neue Impulse geben. Auch deshalb setzen die Analysten auf das zweite Halbjahr. (vbr)

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