Googles Project Tango findet Verbündete

Auf der Google I/O waren neue Anwendungen für jenes Demo-Tablet zu sehen, das seine Umgebung auswertet. Und Qualcomm hat ein eigenes Entwicklerset angekündigt.

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Daten aus Infrarotemittern und -empfänger, Kamera, Beschleunigungssensor und Gyroskop werden bei Project Tango zusammengeführt. Auf WLAN, GPS und Bluetooth wird dabei bewusst verzichtet.

(Bild: Google)

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Im Rahmen des Forschungsprojekts Tango arbeitet Google an Geräten, die ihre Umgebung erfassen und auswerten können. Ein Sensorenset erfasst Bewegungen und ermöglicht es dem Gerät, die Umgebung zu erlernen. Nur behutsam ließ Google Außenstehende mitwirken, doch zur Google I/O wurden die Zugangsbeschränkungen gelockert. Auf der Konferenz waren auch Beispielanwendungen zu sehen. Larry Yang, oberster Produktmanager von Project Tango, verriet heise online, wie es weitergehen soll: "Wir möchten, dass Project Tango in Zukunft automatisch dazulernt. Man kann sagen: 'life long learning'."

Larry Yang mit einem weißen Project-Tango-Tablet.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Das System soll, nachdem es seine Umgebung einmal kennengelernt hat, schrittweise Veränderungen dieser Umgebung als solche begreifen, sie erfassen und schließlich in sein Umgebungsmodell einarbeiten. Denn unsere Umwelt ist ja nicht statisch. Pflanzen wachsen, Möbel werden verschoben, Produkte werden entfernt oder hinzugefügt, Fahrzeuge werden ortsverändert, und so weiter.

Und trotzdem soll sich Tango weiterhin zurechtfinden, wissend, dass die Umgebung zwar nicht mehr die selbe, aber doch die gleiche ist. Wie bisher soll sich das Gerät autark zurechtfinden. Für die Ortung und Umgebungserkennung verzichten die Forscher bewusst auf Hilfestellungen wie GPS, WLAN, Texterkennung oder Bluetooth-Beacons.

"Wir haben über 3000 Entwicklerkits von Project Tango außerhalb Googles ausgeliefert", berichtete Yang über das hauseigene Tablet, das vor etwa einem Jahr präsentiert wurde. Bis zuletzt benötigte man eine Einladung oder eine überzeugende Projektidee, um an eines der Tango-Tablets zu gelangen – und 1024 US-Dollar. Seit der I/O darf jedermann zugreifen, der Preis wurde auf 512 Dollar halbiert, wobei nur innerhalb der USA geliefert wird. Das Tablet ist weiterhin ein Entwicklerkit, das sich nicht an Verbraucher richtet.

Seit der ersten Auslieferung habe Tango 13 Softwareupdates erfahren, erzählte Yang. "Zum Beispiel haben wir die Leistung gesteigert, bei der Kamera die automatische Belichtung verbessert, und wir können sich bewegende Objekte jetzt genauer verfolgen, über einen längeren Zeitraum." Außerdem hat das 3D-Plugin der Game-Engine Unity neue Fähigkeiten erlangt.

Qualcomms Mobile Development Platform mit Tango wurde zwar auf der I/O gezeigt, aber nicht eingeschalten.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Zur Google I/O hat Qualcomm ein eigenes Entwicklerkit mit Project Tango Software angekündigt. Es soll Phablet-Größe haben und von einem Snapdragon 810 Prozessor angetrieben werden. Das Gerät trägt den spröden Namen Mobile Development Platform (MDP), firmiert Google-intern aber unter dem Codewort Almond (zu Deutsch: Mandel).

Wann und zu welchen Bedingungen Qualcomm Almond herausgeben wird ist noch nicht bekannt. Yang freute sich über die Ankündigung, zumal sie Qualcomms Vertrauen in die Zukunft des Projekts bestätigt: "Qualcomms Referenzdesign ist ein wichtiger Schritt für Project Tango."

Auf der Google I/O fiel eine Tango-Anwendung des Spielzeugherstellers Hasbro besonders auf. Dabei wird das Tablet auf ein großes Plastikgewehr gesteckt. Der Spieler bewegt sich durch seinen realen Raum und muss dabei diverse Roboter abschießen.

Wesentlich unauffälliger, obgleich ungemein praktischer, wirkte eine Vermessungsapp. Der Benutzer tippt dabei auf dem Bildschirm auf beliebige Punkte und zieht Linien zwischen ihnen. Die App errechnet die Entfernung zu dem Gegenstand, auf denen die Punkte liegen, und misst diverse Winkel. Daraus werden dann die Streckenlängen berechnet. Der User muss nicht frontal vor der vermessenen Sache stehen. Und auch wenn er sich anschließend im echten Raum bewegt, bleiben die virtuellen Linien an ihrem ursprünglichen Ort haften.

Die Firma Nvyve widmet sich virtuellen Produktpräsentationen; in einer Tango-Beispielimplementierung war es ein Sportwagen. Wo im realen Raum nur Luft ist, zeichnet Tango ein Vehikel in den virtuellen Raum. Der Benutzer kann die Motorhaube öffnen und sich darunter umsehen, Farben und Zubehör gestalten oder auch zur Wagentür schreiten und sich hineinsetzen.

Dabei hilft eine gut trainierte Skihocke, denn das Sitzmöbel ist ja nicht wirklich vorhanden. Und wenn man aufsteht, sieht man nur noch das Fahrzeugdach. Hockend kann sich der Benutzer im virtuellen Fahrzeuginneren umblicken, das Armaturenbrett studieren, die Polsterung umgestalten oder durch die virtuellen Fenster in den realen Raum hinausblicken. In gewisser Weise eröffnet Tango Einblicke in eine andere Dimension.

Project Tango wird auf der Google I/O demonstriert

(ds)