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Gravitationswellen: Messphase O3 startet

Stärkste Rechner

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In Hannover und in Golm bei Potsdam, dem anderen Standort des AEI, an dem die Theoretiker sitzen, stehen auch die stärksten Rechner der LIGO-Kollaboration. Erst vorige Woche ist hier der neue Supercomputer "Hypatia" mit 9000 Rechenkernen eingeweiht worden. Die Arbeit der Theoretiker ist zum Aufspüren von Gravitationswellen besonders wichtig. Auf ihren Supercomputern laufen vor allem die Simulationen aller möglichen Verschmelzungen mit diversen Massen, die unbedingt gebraucht werden, um aus dem gemessenen "Rauschen" ein mögliches Chirp-Signal herauszufiltern. Dass so etwas geht, beweisen tagtäglich die GPS-Signale, die sich aus militärischen Gründen im Rauschen "verstecken".

Wenige Tage vor Start des Messlaufs O3, der bis Frühjahr 2020 vorgesehen ist, wurden auch alle Daten vom vorherigen Messlauf O2 sowohl von LIGO als auch von VIRGO zum Download über das Gravitational Wave Open Science Center zur Verfügung gestellt. Wer mag, kann die also selbst auswerten.

Die Briten hängen zwar mit dem Brexit in der Luft, bei den Gravitationswellen wollen sie jedoch keinesfalls außen vorbleiben und so haben sie zusammen mit ihren australischen Kollegen schon mal rund 11 Millionen Pfund für die nächste Ausbaustufe aLIGO+ beigesteuert. Die Universität in Glasgow arbeitet ohnehin schon lange beim GEO600 in Hannover mit.

Nach dem spektakulären Erfolg des bislang letzten großen Events im Sommer 2017 namens GW170817, wo mit den von den Gravitationswellenforschern verschickten Daten auch die klassischen, optischen Astronomen die Verschmelzung zweier Neutronensterne verfolgen konnten, hat die LIGO-Kollaboration inzwischen einen "Public Alert" eingerichtet, bei dem sich jeder anmelden kann. Der schlägt so schnell wie möglich nahezu in Echtzeit über das GCN-Netzwerk der NASA schon beim bloßen Verdacht einer möglichen Gravitationswelle Alarm und dürfte so zwar auch viele Fehlalarme auslösen, zunehmend öfter aber auch Treffer landen, eben so wie bei GW170817.

Damals haben übrigens nicht die ganz, ganz großen Spiegelteleskope den Ort als erste gefunden, sondern – dank kluger Suchalgorithmen von Doktoranden – das vergleichsweise kleine Swope-Telescope im Las-Campanas-Observatorium in Chile, immerhin noch mit einem Spiegel von einem Meter Durchmesser ausgestattet. Doch da können weltweit etliche gut bestückte Sternwarten und Unis mithalten, so wie in Deutschland etwa die Landessternwarte Tautenburg in Thüringen. Auch Amateure mit kleineren Teleskopen können durchaus Glück haben. Nur fehlt hierzulande die klare und fremdlichtfreie Luft wie in Chile in 2400 Meter Höhe. (as)