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Grenzüberwachung: Roboterforscher warnt vor EU-Drohnenprojekt Roborder

Noel Sharkey von der Kampagne gegen Killer-Roboter kritisiert das EU-Forschungsprojekt Roborder, mit dem Drohnenschwärme Grenzen sichern sollen.

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Auch kleinere Drohnen sind Teil des Roborder-Projekts zur Grenzsicherung (Symbolfoto).

Ein autonomes Grenzüberwachungssystem mit vernetzten Drohnenschwärmen und anderen unbemannten mobilen Robotern auch auf der Erde oder im Wasser soll bald die EU-Grenzen schützen. Das ist das Ziel des Forschungsprojekts Roborder, das mit rund acht Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizont 2020 gefördert wird. Doch Experten haben massive Einwände gegen die Initiative. So sieht etwa Noel Sharkey, Sprecher der Kampagne "Stop Killer Robots", mit der Systementwicklung einen "Schritt in moralisch gefährliches Territorium" verknüpft.

Es sei nur noch "eine Frage der Zeit", bis eine Drohne etwa in Grenzregionen eingesetzt werden könne, warnt der emeritierte britische Professor für Robotik und Künstliche Intelligenz (KI). Ein solches unbemanntes Flugobjekt mit einer Waffe wie einer Pistole oder einem Flammenwerfer zu bestücken, sei vergleichsweise einfach, erklärte Sharkey gegenüber dem Online-Magazin The Intercept.

Die Richtung zeichne sich ab, wo dies zusammen mit den mit dem Projekt ebenfalls angestrebten Techniken zur automatisierten Entscheidungsfindung hinführe. Dass die Roboter laut den Projektpartnern nicht befähigt werden sollen, gegen Menschen direkt vorzugehen, lässt Sharkey nicht gelten: Selbst wenn die Beteiligten derzeit eine Bewaffnung der integrierten Maschinen ausschlössen, könnte dies für andere Staaten trotzdem verlockend sein, falls es erneut zu größeren Migrationsbewegungen käme.

Zu den Projektpartnern gehören neben vielen Sicherheitsbehörden und Forschungseinrichtungen von EU-Staaten mehrere Tech-Firmen. Aus Deutschland sind das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik und die Firma Copting dabei, die sich als Volldienstleister für unbemannte Flugsysteme präsentiert. Ein marktfähiger Prototyp des Systems inklusive Radar, Videoüberwachung und Ortungsmöglichkeiten von Mobiltelefonen soll Mitte 2020 fertig sein. Tests sind unter anderem in Griechenland, Portugal oder Ungarn geplant.

Die Architektur von Roborder.

(Bild: Roborder)

Projekte, die über EU-Forschungsrahmenprogramme finanziert werden, dürfen eigentlich nicht militärisch nutzbar sein. Immer wieder schleichen sich aber aus dem militärisch-industriellen Komplex Initiativen wie das umstrittene Vorhaben Indect zur Videoüberwachung des öffentlichen Raums ein, die zumindest "Dual Use"-Charakter haben. In einer schlecht geschwärzten Dokumentation, die The Intercept per Informationsfreiheitsanfrage erhalten haben will, sollen an Roborder beteiligte Entwickler ethische Bedenken eingeräumt haben, dass zumindest Teile des skizzierten Systems Militärtechnik enthalten oder einfach für militärische Zwecke verwendet werden könnten. Spezifische Ergebnisse dürften sich demnach potenziell als gefährlich für Beteiligte oder die Gesellschaft allgemein darstellen. (olb)