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Grimme Online Award: Gleich zwei Preise für Wikipedia

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Der Grimme Online Award wurde am heutigen Donnerstag zum fünften Mal verliehen. In diesem Jahr wurden die Preise des renommierten Grimme-Instituts in den drei neuen Kategorien "Information", "Wissen und Bildung" sowie "Kultur und Unterhaltung" vergeben; zudem gab es einen Spezial-Preis und wieder den Intel Publikums-Preis, für den bis zum gestrigen Mittwoch Internet-Nutzer ihren Favoriten wählen konnten.

Gleich zweimal konnte sich die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia über einen Preis freuen: Zum einen ging ein Award in der Kategorie "Wissen und Bildung" an Wikipedia, zum anderen gab es den Intel Publikums-Preis für das Projekt. Die Juroren lobten Wikipedia als "herausragendes Beispiel kollaborativer Nutzung des Internet". Für den Publikumspreis lieferte sich die Online-Enzyklopädie ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Website "Lisas Leben" zur Sat.1-Telenovela "Verliebt in Berlin". 124.796 Internet-Nutzer haben sich nach Angaben des Grimme-Instituts an der Abstimmung beteiligt -- rund 35.000 mehr als im vergangen Jahr.

Aus zahlreichen Nominierten für die Awards ausgewählt wurden in der Kategorie "Wissen und Bildung" zudem die Website "Holocaust-Mahnmal -- Gedächtnis aus Stein" von ZDF, HR Neue Medien und der Redaktion heute.de, das Angebot "Einsteins Welt" des ZDF sowie die Site "Jugendopposition in der DDR" der Robert-Havemann-Gesellschaft und der Bundeszentrale für politische Bildung. Bei der Site zum Holocaust-Mahnmal hob die Jury hervor, sie sei "ein inhaltlich überzeugendes und emotional sehr ansprechendes Gesamtwerk, welches keine vordergründige Betroffenheit sucht, sondern an der Reflexion teilhaben lässt". Die Site zur DDR-Jugendopposition habe "inhaltlich begeistert und gestalterisch mit ihrer eigenwilligen, etwas 'schräg liegenden Optik' überzeugt".

In der Kategorie "Information" vergab die Jury des Grimme-Instituts nur einen Award: Die Boulevardzeitungs-Kritiker von BILDblog, das sich im Untertitel mit leichtem Understatement "Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung" nennt, erhielten die Auszeichnung als das "wichtigste deutschsprachige 'Watchblog'"'. Es demonstriere, wie das Internet für eine unabhängige, kontinuierliche und professionelle Medienkritik genutzt werden könne.

Die Website "Lyrikline -- Poesie hören und lesen" erhielt den Grimme Online Award in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung": "Lyrikline.org setzt die weltweite Vernetzung des Internet konzeptionell ein. Mit tausenden Übersetzungen schafft die Website ein bemerkenswert umfangreiches, mehrsprachiges und multimediales Angebot für Literaturinteressierte im In- und Ausland", begründet die Jury ihre Entscheidung.

Schließlich gab es in diesem Jahr erstmals einen Spezialpreis. Mit Spiegel Online solle ein "journalistisch geprägtes Onlineangebot ausgezeichnet werden, das seit zehn Jahren wesentlich mit dafür gesorgt hat, dass das Internet zu einem respektierten Medium geworden ist", heißt es in der Würdigung.

Das Adolf Grimme Institut, das sich unter anderem die Förderung von Qualität im Fernsehen auf die Fahnen geschrieben hat, zählt sich nach eigenen Angaben zum "kleinen Kreis renommierter Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in Europa, die sich mit Fragen der Medienpolitik und Kommunikationskultur befassen". Es versteht sich als Forum für die "kommunikationspolitische Debatte in der Bundesrepublik Deutschland" und leiste "medientheoretische und medienpraktische Bildungsarbeit".

Zu den bekanntesten Aktivitäten dürfte die Verleihung des Adolf-Grimme-Preises gehören. Mit der seit 1964 vergebenen Auszeichnung werden TV-Produktionen und Fernsehleistungen prämiert, "die spezifische Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auf hervorragende Weise nutzen und nach Inhalt und Methode Vorbild für die Fernsehpraxis sein können". Der Grimme Online Award soll Ähnliches für die Welt der Online-Medien leisten. Diese Bemühungen sieht das Adolf Grimme Institut mit den diesjährigen Preisverleihungen wieder bestätigt, denn sie "demonstrieren den Entwicklungsgrad und die derzeitigen Möglichkeiten publizistischer Qualität im Netz", erklärte der beim Grimme-Institut für den Online-Award zuständige Friedrich Hagedorn. (jk)

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