Grimme Online Award: Nominierungen für Christian Drosten und Rezo

Infoangebote aller Art sind bei dem deutschen Qualitätspreis für Webangebote ganz vorne dabei. Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Angebote dominieren.

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Rezo

Youtuber Rezo ist einer der Nominierten für den Grimme Online Award.

(Bild: dpa, Henning Kaiser/dpa)

Von
  • Torsten Kleinz

Vom Corona-Update bis zum Virtual-Reality-Blick in einen Bienenstock – aus über 1000 Einreichungen hat die Nominierungskommission des Grimme Online Awards insgesamt 28 Kandidaten für die 20. Preisverleihung bestimmt. Neben besonders prominenten Personen wie dem derzeit omnipräsenten Virologen Christian Drosten und dem YouTuber Rezo gibt es in diesem Jahr einen Schwerpunkt Rückblick auf DDR-Geschichte.

"Unser Informationsbedürfnis ist besonders hoch, wenn wir in Krisenzeiten leben", erklärte die Direktorin des Grimme-Instituts Frauke Gerlach bei der Vorstellung der Nominierten am Mittwoch. Schon vor dem Beginn der Corona-Krise habe die Kommission ein hohes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Orientierung festgestellt.

Dies macht sich auch bei der Aufteilung in Kategorien bemerkbar. So wurden in der Sparte Information insgesamt elf Angebote auf den Weg gebracht. Ganz vorne mit dabei ist der Podcast Coronavirus Update des NDR, in dem der Virologe Christian Drosten mehrmals wöchentlich zu Fragen um die Ausbreitung des Coronavirus und mögliche Gegenmaßnahmen Auskunft gibt. Eine andere Krise hat das Angebot Anatomie einer Katastrophe der Süddeutschen Zeitung im Blick: Der sogenannte "Longread" zeigt ausführlich und eindrucksvoll Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels.

Viele nominierte Angebote bemühen sich darum, Politikbereiche konkret erfahrbar zu machen. So dreht sich der Podcast Sicherheitshalber um die vielfältigen Aspekte der Verteidigungspolitik, während der Podcast Denkangebot von Katharina Nocun eine Reihe von sehr unterschiedlichen Themen mit Fachleuten in bis zu dreistündigen Gesprächen beleuchtet. Die YouTube-Talkshow Karakaya Talk aus dem WDR beleuchtet Themen jenseits der großen etablierten Talkshows.

Das Katapult Magazin bringt aktuelle Diskurse zum politischen, sozialen und wirtschaftlichen Geschehen insbesondere mit originellen Infografiken an den Leser. Wer diese Diskurse in der Bundespolitik verfolgen will, findet reichlich Material bei Darüber spricht der Bundestag von Zeit Online, wo man die Redebeiträge von 4000 Bundestagssitzungen anschaulich nach bestimmten Themen durchsuchen kann.

Als journalistisches Angebot konnte das Youtube-Format STRG_F des NDR, das zuletzt durch die Aufdeckung der Manipulationen bei den Pranks der TV-Entertainer Joko und Klaas, aber auch durch Themen wie die Seenotrettung von Flüchtlingen für Aufsehen sorgten. Das ebenfalls nominierte Portal NSU-Watch trägt alle Informationen zu der Aufarbeitung der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund zusammen.

In der Kategorie Wissen uns Bildung gab es zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung einen Schwerpunkt auf die Verarbeitung der DDR-Geschichte. Eigensinn im Bruderland vom Zentrum für Antisemitismusforschung TU Berlin zeigt die Erfahrungen von Vertragsarbeitern und Studierenden, die aus sozialistischen Ländern in die DDR kamen. Der Mitteldeutsche Rundfunk widmete das Spezial Warum die Treuhand das Land spaltet der wirtschaftlichen Abwicklung der DDR-Wirtschaft. Wende_rewind vom RBB hingegen brachte die Geschehnisse der Wendezeit Instagram-Nutzern näher.

Mit nur fünf Nominierten schnitt die Kategorie Kultur und Unterhaltung besonders schwach ab. Nominierungskommissions-Mitglied Leif Kramp begründete dies unter anderem damit, dass sich bei vielen populären Formaten wie "True Crime" zu viele Anbieter sich auf die gleichen Präsentationsformen festgefahren haben. Deshalb setzte die Kommission auf eher ungewöhnliche Angebote wie dem Podcast Tracks & Traces von detektor fm, in dem Musiker monatlich ihre Songs haarklein auseinandernehmen.

Ebenfalls nominiert wurde der Podcast Finding van Gogh, aus dem Städel Museum, bei dem sich die Zuhörer mit auf die Suche nach einem Gemälde machen, das 1990 für 82,5 Millionen Dollar versteigert wurde und seitdem aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Der WDR kam unter anderem mit seinem Augmented-Reality-Blick in einen Bienenstock auf die Nominiertenliste.

In der Spezial-Kategorie konnte sich noch der durch Die Zerstörung der CDU bekannte Youtuber Rezo qualifizieren, der mit seiner Generalabrechnung im Wahlkampfjahr für Aufsehen sorgte. Einen Blick auf die allgegenwärtige Datenerfassung bietet das interaktive und standortbasierte Hörspiel Social Score

In welcher Form der Preis am 25. Juni an die Gewinner übergeben wird, ist derzeit noch unklar. Wie in den Vorjahren können aber alle Interessierten über das Publikumsvoting ihre Favoriten für einen Sonderpreis bestimmen. (axk)