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Grimme Online Award für Correctiv und Techniktagebuch

Der Qualitätspreis des deutschen Web zeigte sich dieses Jahr vielfältig: Ihn bekamen z.B. ein Rap-Kanal und ein Mutter-Tochter-Podcast.

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Nordrhein-Westfalens Medienstaatssekretär Nathanael Liminski auf der Verleihung der Grimme Online Awards.

(Bild: Torsten Kleinz)

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Zur Verleihung des Grimme Online Awards wurden in diesem Jahr insbesondere Angebote ausgezeichnet, die sich darum bemühen, Menschen zusammenzubringen. Der deutsche Medienpreis versuchte in seiner 19. Ausgabe ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Hetze zu setzen.

"Das Netz hat die kommunikativen Spielregeln der Politik unwiderruflich geändert", betonte die Direktorin des Grimme-Instituts Frauke Gerlach während der Verleihung in Köln. Damit werde zum einen der demokratische Diskurs gefördert, andererseits trete auch Hass und Hetze zu Tage. Nordrhein-Westfalens Medienstaatssekretär Nathanael Liminski betonte die Wichtigkeit der prämierten Angebote als notwendiges Gegengewicht. "Wenn im Netz der Hass sprießt, kann ich nicht einen Zeitungsartikel schreiben oder einen Leserbrief", betonte Liminski. Dabei bezogen sich Gerlach und Liminski insbesondere auf den Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der mit Hassrede im Netz in Verbindung gebracht wird.

Der erste Preisträger zeigte, dass Menschen im Netz auch konstruktiv zusammenarbeiten können. Auf Wem gehört Hamburg? hatte das Recherchebüro Correctiv seine Leser dazu aufgerufen, Daten über die eigenen Wohnsituation einzureichen, damit sich die Journalisten ein neues Bild vom Wohnungmarkt in der Millionenstadt machen konnten. Neben den verwinkelten Besitzverhältnissen offenbarte die Recherche unter anderem Tricks bei Mieterhöhungen und den Einfluss von Geldwäsche auf die Immobilienpreise.

Sind beim Grimme Online Award üblicherweise Angebote von großen Institutionen und insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender erfolgreich, konnten in diesem Jahr Kleinprojekte Erfolge feiern. So bekam das von den Autorinnen Kathrin Passig und Anne Schüßler initiierte Gruppenblog Techniktagebuch eine Auszeichnung.

In dem Tumblr-Blog werden alltägliche Technik-Episoden festgehalten, die von Lesern eingereicht werden können. "Wir haben festgestellt, dass man sich nach drei Jahren auch an die alleralltäglichsten Dinge nicht mehr erinnert", erläuterte Passig die Motivation zu dem Projekt. Deshalb bemüht sich das Blog, gegen diese Flüchtigkeit anzuschreiben – von der Netzabdeckung in Eiderstedt bis zum Bücherenthusiasten, der seine Kindle-Bücher aus dem proprietären Format befreit.

Die weiteren Preisträger in der Bilderstrecke:

Grimme Online Award 2019 – Die Preisträger (9 Bilder)

Seit fünf Jahren macht das leserfinanzierte Portal Krautreporter Journalismus jenseits des Aktualitätsdrucks. Preiswürdig erschien der Jury insbesondere die Einbindung der Community, deren Fragen von der Redaktion beantwortet werden und deren Lebenserfahrung in die Recherchen eingebracht wird.

(anw)