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Größere Zeichen oder Smartphone-Leser laufen ins Verderben

Damit Fußgänger nicht zu lange mit dem Blick am Smartphone haften bleiben, optimieren Fraunhofer-Wissenschaftler die App-Oberflächen. Je schneller der Anwender läuft, desto größer müssen die Texte werden.

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Größere Zeichen oder Smartphone-Leser laufen ins Verderben

Test auf dem Laufband: Beim schnellen Gehen benötigt der Tester eine sehr große Schrift, um auf Armlänge schnell einzelne Infos zu erkennen.

(Bild: Foto: FKIE)

Viele Fußgänger nutzen ihr Smartphone unterwegs und bringen sich so in Gefahr. Wer den Blick nicht rechtzeitig vom Display abwenden kann, dem drohen Stolperfallen und auch schlimme Verkehrsunfälle. Fraunhofer-Wissenschaftler arbeiten daher an grafischen Oberflächen, die die Ablenkung minimieren.

Mehr als jeder sechste Fußgänger nutzt sein Smartphone in der Stadt, während er sich gleichzeitig im Straßenverkehr bewegt. Das ist ein Ergebnis einer internationalen Studie der Dekra-Unfallforschung in sechs europäischen Hauptstädten. Vor diesem Hintergrund entstand am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) der Ansatz, Smartphone-Apps so umzugestalten, dass der Nutzer im Verkehr möglichst wenig abgelenkt ist.

Die Forscher beobachteten, dass die Anwender beim Erfassen längerer Texte ganz von selbst langsamer gehen oder sogar stehen bleiben. Bei kürzeren Texten, beispielsweise in Navi-Apps, passten die Anwender aber ihre Geschwindigkeit nicht an, das Unfallrisiko stieg. Hinzu kommt: Die Sehschärfe verringerte sich beim Gehen verglichen mit dem Stehen um etwa 20 Prozent. "Das ist schon beachtlich. Man muss sich das so vorstellen, dass sich die persönliche Sehschärfe bei einem herkömmlichen Sehtest um eine Zeile verschlechtert", sagt Jessica Conradi, Projektmanagerin und stellvertretende Abteilungsleiterin am Fraunhofer FKIE.

Zwei GUIs zum Vergleich: Mit den größer geschriebenen Begriffen kommt der Fußgänger erheblich besser klar.

(Bild: Foto: FKIE)

Folglich schickten die Forscher ihre Testpersonen aufs Laufband, ausgestattet mit kopfbasierten Messsystemen, die die Augenbewegungen aufzeichneten. Zudem wurden die Probanden durch eine virtuelle Umgebung abgelenkt. In diesem Szenario variierten dann Wortlängen, Darbietungsdauer und Gehgeschwindigkeit. Die Ergebnisse der Forscher: Längere Wörter erfordern eine größere Schrift als kürzere. Bei nur kurzer Anzeigezeit muss die Schrift deutlich größer gewählt werden und wenn der Tester geht, benötigt er sogar eine viel größere Schriftart, um Begriffe am Smartphone auf Armlänge gut wahrnehmen zu können. Denn auch das ist entscheidend: Je näher sich die Tester das Gerät vors Gesicht halten, desto eingeschränkter ist das Gesichtsfeld, was nochmals das Unfallrisiko erhöht.

Im Ergebnis empfehlen die Forscher für jede App zumindest drei unterschiedliche GUIs, für das Lesen im Stehen, für das langsame und das schnelle Gehen. Ebenso raten sie zu dynamisch wachsenden Icons, die sich der Gehgeschwindigkeit zumindest in drei Stufen anpassen. (agr)

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