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Groove Workspace 2.1 erschienen

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Bei Groove Networks jagen sich die Ereignisse. Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass eine Zusammenarbeit mit Microsoft STS (Sharepoint Team Services) angekündigt wurde. Nun erscheint eine neue Version des erst vor vier Monaten renovierten Produktes. Das von Notes-Erfinder Ray Ozzie gegründete Unternehmen produziert eine Groupware-Plattform, die weitgehend ohne zentrale Server funktioniert. Daten werden in gemeinsam genutzten Spaces mit vorgefertigten Werkzeugen direkt auf den Rechnern der Anwender gespeichert. Die Plattform ist um Werkzeuge von Drittanbietern erweiterbar.

Insgesamt 27 MByte hat der Anwender aus dem Netz zu laden. Groove Networks bedient sich dabei eines Net Installers, der diesen Download für jeden einzelnen Client erfordert. Besser ist es, wenn man die Datei TempGrooveWorkspacePreview.exe sichert, die im Temp-Verzeichnis nach dem Download zwischengespeichert wird, bevor die eigentliche Installation beginnt. Mit Hilfe dieser Datei kann man dann auch andere Rechner auf den neuesten Stand bringen.

Das wichtigste Thema der neuen Version ist ein eklatante Verbesserung der Performance. Nur der allererste Start nach der Installation dauert ungewöhnlich lange; es steht zu vermuten, dass die Datenstrukturen auf der lokalen Platte komplett reorganisiert werden. Ray Ozzie selbst gibt in seinem sehr lesenswerten Weblog den Performance-Tipp, auch auf Betriebssystemebene noch einmal zu defragmentieren. Groove Workspace 2.1 vermeidet offenbar nun selbst eine Fragmentierung der internen Datenstrukturen, eine Optimierung, die nur dann richtig greift, wenn die Dateien auch auf dem Datenträger sinnvoll aggregiert sind.

Mit Version 2.1 wird neben Outlook auch Lotus Notes unterstützt. So kann man eine E-Mail-Konversation in einen Groove-Space überführen. Der Nachrichten-Thread wird in den Space kopiert und alle an der bisherigen Konversation beteiligten werden in diesen Space eingeladen. Damit schafft man den Sprung von der einfachen Weiterleitung von Inhalten zu einer gemeinsamen Datenbasis, in der jeder stets über alle Vorgänge informiert ist, ohne sich die einzelnen Schnipsel aus ellenlangen Mails zusammenzusuchen zu müssen. Theoretisch wäre eine solche Funktion auch bei Domino machbar, scheitert jedoch in einer normal adminstrierten Umgebung daran, dass man den Anwendern in der Regel untersagt, gemeinsame Datenbanken auf dem Server selbst anzulegen. Bei Groove entfällt diese Hürde, da alle Daten ohnehin nur auf den Clients gehalten werden und damit ein Wildwuchs auf gemeinsamen Ressourcen nicht zu befürchten ist.

Weitere Verbesserungen findet man in den Instant-Messaging-Funktionen, die nun immer mehr Features typischer Mailprogramme übernehmen, etwa Weiterleiten, Nachrichtenhistorie, Formatierung etc. Die Integration mit Microsoft Office wird weiter vorangetrieben. So öffnet Groove Word-Dokumente automatisch dann im Überarbeiten-Modus, wenn dies sinnvoll ist.

Groove Workspace ist in drei Varianten erhältlich: Preview, Standard (49 US-Dollar) und Professional (99 US-Dollar). Die Preview kann ein privater Anwender unbegrenzt, ein Unternehmen jedoch nur zur Evaluation nutzen. Einige Einschränkungen bezüglich der anlegbaren Objekte zwingen aber auch den Privatanwender irgendwann zum Kauf. Immerhin lässt sich alles ausprobieren, so auch die Vergabe von Rollen mit unterschiedlichen Rechten. Die Unterscheidung zwischen Standard und Professional erscheint willkürlich und ist wohl mit dem Wunsch des Marketings nach Produktdifferenzierung zu erklären.

Die Software lässt sich nur aktivieren, wenn man eine Verbindung zu zentralen Servern bei Groove Networks zulässt; eine anonyme Aktivierung über Telefon ist nicht vorgesehen. Da alle Kommunikation stets verschlüsselt abläuft, hinterlässt diese Art der Installation ein ungutes Gefühl. Wie bei den aktivierungspflichtigen Microsoft-Produkten ist vollkommen unklar, welche Daten nun tatsächlich übertragen werden.

Groove Workspace ist bislang nur für Windows erhältlich. Auch wenn Groove Networks vor einem Jahr bereits über eine Linux-Version spekulierte, erscheint eine Ausgabe für das Open-Source-System heute doch eher unwahrscheinlich. Ozzie hat sich wohl in der Vergangenheit zu oft die Finger mit Cross-Plattform-Produkten verbrannt. In seinem Weblog spricht er von einer virtuellen Kette um den Hals, die eine schnelle Fortentwicklung behindert habe.

Während Groove an schönen neuen Tools arbeitet, bleiben einige Wünsche unerfüllt, an deren Formulierung man gar nicht dachte. Wo gibt es noch ein Programm, das nicht druckt? Oder das nicht sucht? Suchen und ersetzen? Fehlanzeige. Rechtschreibkorrektur? Gibt es auch nicht. Während schon die Klimaanlage und das Navigationssystem konzipiert werden, fehlt es noch an Servolenkung und Bremsen. Die fehlenden Druckfunktionen zwingen Anwendungsentwickler zu wilden Kapriolen. Ein beliebter Trick: Man erzeugt einen HTML-Strom, lässt diesen von einem eingebettetem Internet Explorer anzeigen und nutzt dann dessen Druckfunktion. Der Ingenieur mag das für Nörgelei halten, ist das Wunderwerk doch vor allem im Verborgengen zu suchen. Es ist keineswegs trivial, eine Infrastruktur zu schaffen, mit der man in verteilten Netzen, ohne zentrale Koordination, online und offline, an gemeinsamen Daten arbeiten kann. Nicht zuletzt die automatische Verschlüsselung und Signierung aller Daten sowohl bei der Speicherung als auch der Übertragung behebt das größte Sicherheitsloch der Kommunikation mittels E-Mail oder Instant Messenger: Der uninteressierte Benutzer unterläuft alle Schutzmechanismen, wenn sie einer Extra-Anstrengung bedürfen. Bei Groove hingegen gibt es die Option "unsicher" nicht einmal. (Volker Weber) / (jk)

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