Großbritannen: O2 und Virgin Media tun sich zusammen

Telefónica und Liberty Global bringen ihre britischen Töchter in ein neues Gemeinschaftsunternehmen ein und wollen so Synergien erreichen.

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Shutterstock/Jevanto Productions/Lenscap Photography

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Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica will sein Mobilfunkgeschäft in Großbritannien mit der Kabeltochter des US-Riesen Liberty Global zusammenlegen. Dabei sollen der Mobilfunkanbieter O2 UK und und der Kabelnetzbetreiber Virgin Media in ein Unternehmen eingebracht werden, an dem beide Konzerne jeweils die Hälfte halten, teilten die Konzerne am Donnerstag mit. Telefónica erhält bei dem Geschäft umgerechnet rund sechseinhalb Milliarden Euro, da der von den Spaniern eingebrachte Teil deutlich größer ist als der von Libert Global.

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Die beiden Unternehmen versprechen sich von ihrem Joint Venture Synergieeffekte von 540 Millionen Pfund (rund 618 Millionen Euro) – den Großteil davon sollen niedrigere Kosten und Investitionen beisteuern. O2 UK ist unter anderem mit Marken wie Tesco Mobile und Giffgaff mit 34 Millionen Kunden der größte Mobilfunkanbieter Großbritanniens. Virgin Media kam zuletzt auf 5,3 Millionen Kunden. Chef des britischen Netzbetreibers ist Lutz Schüler, der die deutsche Liberty-Tochter Unitymedia geleitet hat und vor deren Verkauf an Vodafone auf die Insel gewechselt war.

Erste Spekulationen über das geplante Joint Venture hatte es bereits in der vergangenen Woche gegeben. Telefonica sucht schon seit Längerem nach einer Lösung für das britische Geschäft. 2015 hatten die Spanier mit dem chinesischen Mobilfunkanbieter Hutchison, der in Großbritannien mit der Marke "Three" vertreten ist, eigentlich einen Käufer gefunden – doch der rund 13 Milliarden Euro schwere Deal kam wegen eines Vetos der europäischen Wettbewerbsbehörde nicht zustande. Telefónica hatte danach auch erwogen, die britische Mobilfunktochter an die Börse zu bringen.

Da es sich bei der jetzigen Transaktion zwischen Telefonica und Liberty Global aber um einen Zusammenschluss von zwei Konzernen aus unterschiedlichen Telekommunikationsbereichen handeln würde, könnte der Deal möglicherweise durchgehen. Virgin Media betreibt zwar ein eigenes Glasfasernetz, hat aber keine Mobilfunkmasten. Bei O2 ist es umgekehrt. Laut derzeitigen Plänen wollen die Konzerne den Deal Mitte 2021 abgeschlossen haben. Vorher müssen die Behörden aber noch zustimmen.

Die ebenfalls am Donnerstag von Telefónica vorgelegten Quartalszahlen verfehlten teils die Erwartungen am Markt – Analysten sprachen von schwachen Ergebnissen. Der Überschuss halbierte sich von 926 Millionen Euro im Vorjahr auf 406 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zurück. "Telefónica ist nicht immun gegen die Krise, aber doch widerstandsfähig", sagte Konzernchef José María Álvarez-Pallete. Wegen der hohen Unsicherheit nahm Telefonica den Ausblick auf das laufende Jahr aber zurück. (mit Material der dpa) / (vbr)