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Großbritannien: Streit um Spielkonsolen-Nutzung in Gefängnissen

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Deckblatt der Prison Service Instruction 32/2008

Der Generaldirektor der mit jährlich 400 Millionen Pfund ausgestatteten Serious Organized Crime Agency (SOCA), Bill Hughes, hat mit Aussagen, wonach Häftlinge, die der Organisierten Kriminalität (OK) zugerechnet werden, in britischen Gefängnissen Spielkonsolen, Internetzugänge und Mobiltelefone für die Kommunikation nach außen nutzen können, einen heftigen Streit ausgelöst. "Leute nutzen PlayStations zum Aufladen von eingeschmuggelten Handys, und sie haben die Möglichkeit, mit anderen Personen über interaktive Spiele in Kontakt zu treten", zitiert die Times den operativen SOCA-Leiter. Über den Austausch von Codewörtern könnten einsitzende Führungsleute einer Organisation ihre Geschäfte dann auch vom Knast aus weiterbetreiben, kritisiert Hughes.

Während Häftlinge hierzulande regelmäßig vor Gericht abblitzen, wenn sie die Nutzung einer Spielkonsole im Gefängnis einklagen, hat der britische Prison Service laut der Tageszeitung Daily Mail bis Mitte 2008 über 220.000 Pfund für die Anschaffung von Spielkonsolen ausgegeben. Insgesamt soll es fast 13.000 PlayStations, Xboxen und GameCubes in den Justizvollzugsanstalten von England und Wales geben, die meisten davon von den Häftlingen bezahlt. Bis Ende September 2008 waren auch Spiele erlaubt, die erst ab 18 Jahre freigegeben sind, etwa Manhunt oder Grand Theft Auto. Mit der Prison Service Instruction 32/2008 (Word-Datei) wurde diese Praxis jedoch zum 30. September beendet. Auch wurde die Erlaubnis zum Konsolenspielen in das Häftlingsbelohnungssystem "Incentives and Earned Privileges" (IEP) integriert.

Der von der SOCA angegriffene Prison Service stört sich nun insbesondere an der Behauptung Hughes', die Gefängnisbetreiber selbst hätten Befürchtungen geäußert, Häftlinge würden unkontrollierten Internetzugriff haben und interaktive Spiele zur Kommunikation nach außen nutzen. "Häftlingen ist der Zugriff auf Wireless-Technik von Spielkonsolen nie gestattet worden – und er wird ihnen auch nie gestattet sein", erklärte ein Sprecher des Prison Service. Die SOCA, die im Jahr 2004 vom damaligen Premierminister Tony Blair als Pendant zum US-amerikanischen FBI ins Leben gerufen worden war, wegen Erfolglosigkeit jetzt aber umstrukturiert werden soll, besteht jedoch auf ihren Behauptungen. Eigenen Angaben zufolge beobachtet die SOCA derzeit 5000 Personen aus dem OK-Umfeld in Großbritannien und im Ausland. Ihr Tätigkeitsbericht für das Jahr 2008 ist hier abrufbar (PDF-Datei). (pmz)

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