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Großbritannien will Whitelist für den nationalen Pornofilter

Zahlreiche Berichte legen nahe, dass der Pornofilter in Großbritanniens Netz über sein Ziel hinausgeschossen ist. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe eine Whitelist aufstellen, die die versehentlich gesperrten Seite sammelt und von der Filterung ausnimmt.

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Großbritannien will eine Whitelist für den Pornofilter erstellen, den die Provider des Landes auf Geheiß der Regierung Anfang des Jahres scharf gestellt haben. Wie die BBC berichtet, soll eine eigene Arbeitsgruppe den Fällen versehentlicher Blockaden nachgehen und die Whitelist befüllen. Ebenfalls soll die Gruppe ein standardisiertes Verfahren schaffen, über das sich die Betreiber unabsichtlich blockierter Websites um Aufnahme in die Whitelist bemühen können.

Auch schonmal weggeblockt: League of Legends

(Bild: leagueoflegends.com)

Hintergrund ist, dass der Filter deutlich mehr blockiert haben, als angekündigt – ähnlich wie es Kritiker zuvor befürchtet hatten: Nicht nur Pornoseiten sondern auch Websites zur Sexualaufklärung, von medizinischen Beratungsstätten und Hilfseinrichtungen für Opfer sexueller Gewalt wurden geblockt. Ebenfalls wurde laut einem Bericht des Guardian auch ein Update des MMORPGs League of Legends gesperrt – offenbar reichte schon die zufällig auftretende Buchstabenkombination „sex“ in Dateinamen wie VarusExpirationTimer.luaobj.

Noch übereifriger zeigte sich der britische Provider Sky, der zusammen mit seinem Pornofilter auch einen Spam- und Malwareschutz anbietet. Dieser blockierte offenbar die Seite code.jquery.com, das Downloadverzeichnis einer der bedeutendsten Javascript-Bibliotheken überhaupt. Andere Websites, die auf dortigen Code verwiesen, funktionierten damit nicht mehr richtig.

David Miles, der Leiter der Arbeitsgruppe sagte gegenüber der BBC, dass die Zahl unbeabsichtigter Blockaden Studien zufolge dennoch niedrig sei. Durch die schnelle Einführung so umfassender Filter könne es zu Fällen von "Überfilterung“ kommen. Die Liste mit versehentlichen geblockten Webpräsenzen soll den britischen Providern in Bälde zur Verfügung gestellt werden, einen konkreten Zeitraum nannte der Bericht nicht.

Die Filter sind seit Anfang des Jahres in Großbritannien per Default scharf geschaltet, sofern die Nutzer nicht explizit erklären, dass sie keine Ausfilterung pornographischer Inhalte wünschen. Premierminister Cameron hatte die Einführung der Pornofilter Mitte 2013 angekündigt. Er hatte die Maßnahme unter anderem damit begründet, Kinder vor nicht altersgemäßen Inhalten schützen zu wollen. (axk)