Großbritanniens "schlimmste Datensammler" ausgezeichnet

Auch dieses Jahr wurden Einzelpersonen und Organisationen "preisgekrönt", die es nach Meinung von Privacy International mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen -- oder angeblich übergenau.

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Von
  • Andreas Wilkens

Privacy International hat in London zum sechsten Mal die Big Brother Awards verliehen. In der Kategorie "schlimmster Staatsbediensteter" geht der nicht gerade begehrte Preis an die für Kinder zuständige Staatsministerin Margaret Hodge für das Datensammlungsprogramm Children Bill. Dadurch sollen die Daten von elf Millionen Kindern erfasst werden.

Als "meist erschreckendes Projekt" wurde nach 2000 erneut das NHS National Programme fo IT auserkoren. Alle Patientendaten sollten auf eine unsichere Weise erfasst werden, so dass der Datenschutz arg gefährdet werde. Als "abscheulichste Behörde" gilt den Organisatoren des Big Brother Award das Office of National Statistics wegen des Citizen Information Project. Darin sollen in einer beispiellosen Weise Daten über die britischen Bürger erfasst werden.

Der Preis für die "lebenslange Plage" geht an das Projekt US-VISIT. Dabei geht es zwar um ein Projekt in den USA zur IT-Ausrüstung von Grenzübergängen, doch sollen Fingerabdrücke von allen ausländischen Besuchern gesammelt werden. Die britische Regierung habe sich dazu ausgeschwiegen.

Als das Unternehmen, das am tiefsten in die Privatsphäre eingreift, befanden die Juroren British Gas. Im Oktober 2003 war das Ehepaar George (89) und Gertrude (86) Bates tot in seiner Wohnung aufgefunden worden, Wochen nachdem British Gas ihnen wegen nicht bezahlter Rechnungen den Gashahn abgedreht hatte. Der Ehemann war unter anderem an Unterkühlung gestorben. Zuvor hatten Bedienstete des Gasunternehmens das Ehepaar zehnmal wegen der Rechnungen aufgesucht. Der britische Data Protection Act habe aber verhindert, Sozialeinrichtungen zu benachrichtigen. Die Juroren sehen darin eine unangebrachte und "erbärmliche" Ausrede. (anw)