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Große Koalition entdeckt die Computerspiele

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Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU und SPD haben die Regierung aufgefordert, einen Preis für "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle" Computerspiele aus Deutschland auszuloben. Ähnlich wie beim Deutschen Filmpreis solle in Verantwortung der Bundesregierung und in Zusammenarbeit mit einer unabhängigen Jury künftig jährlich ein Deutscher Computerspielepreis vergeben werden, heißt es in einem von den Bundestagsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU), Peter Struck (SPD) sowie dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, unterzeichneten Antrag (PDF-Datei).

Computerspiele hätten in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen, halten die Abgeordneten fest. Sie seien wirtschaftlich und technologisch zu einem wichtigen Einflussfaktor geworden, transportierten "gesellschaftliche Abbilder" und thematisierten "eigene kulturelle Inhalte". Mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro liege der Computer- und Videospiel-Software-Markt in Deutschland auf einem ähnlich hohen Niveau wie die Musik- oder Filmindustrie. Die Branche sei ein wichtiger Bestandteil der Kultur- und Kreativwirtschaft und besitze für die Zukunft ein großes Innovations- und Wachstumspotenzial.

Allerdings hätten nur wenige Produkte des internationalen Computerspiel-Marktes ihren Ursprung in Deutschland, führen die Verfasser weiter aus. Von den hierzulande verkauften PC-Spielen würden derzeit lediglich zehn Prozent auch tatsächlich in Deutschland entwickelt, bei Konsolenspielen seien es sogar nur zwei Prozent. Auch würden in Deutschland vorwiegend Strategie- und Sportspiele hergestellt. Aus wirtschaftlicher und kultureller Sicht sollen daher die Bedingungen für die Entwicklung von interaktiven Unterhaltungsmedien "mit deutschem/europäischem Hintergrund" verbessert werden.

Neu ist diese Forderung indes nicht: Bereits im Frühjahr hatte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, festgehalten, dass Computerspiele ebenso zum Kultur- und Medienbereich gehörten wie der Film. Wolle man die Qualität von Computerspielen verbessern, erklärte Zimmermann damals, dann müsse, wie in anderen Kultursparten auch, Qualität besonders gefördert werden. Bislang fördert der Bund aber nur die Bereiche Musik, Literatur, Bildende Kunst, Darstellende Kunst sowie Denkmäler und Baukultur.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, legte dem Bundestag daraufhin im Oktober auf Antrag erste "Überlegungen zu Förderung von qualitativ hochwertigen interaktiven Unterhaltungsmedien wie Computer- und Videospiele" vor. Vorgeschlagen wurden darin verschiedene Maßnahmen, wie ein Zusammenwirken von Wirtschaft und staatlichen Institutionen in Form eines Public-Private-Partnership ausgestaltet werden könnte. So soll etwa eine Stiftung für interaktive Unterhaltungsmedien gegründet werden, die unter anderem "öffentlich aufzeigen soll, welche Chancen interaktive Unterhaltungsmedien bieten".

Aushängeschild der neu entdeckten Computerspiel-Euphorie der Politiker soll der "Deutsche Computerspielepreis" sein. Eine unabhängige Jury solle aus Spielen auswählen, die in Deutschland produziert wurden und sich dabei nicht am kommerziellen Erfolg sondern "an inhaltlichen Kriterien" orientieren, so die Abgeordneten. Die noch zu benennenden Preisgelder sollten an die Entwickler der prämierten Computerspiele ausgegeben werden, "mit der Maßgabe, sie für die Entwicklung weiterer qualitativ und pädagogisch wertvoller Spiele zu verwenden". Finanziert werden soll das Ganze nach Möglichkeit über bereits existierende Multimedia-, ITK- oder Forschungsförderprogramme des Bundes.

Was dabei herauskommt, wenn die Politik Maßstäbe wie "gut" und "sinnvoll" an Produkte aus dem Computerspiel-Bereich anlegt, kann im Übrigen schon im kommenden Monat in Hessen begutachtet werden. Am 6. Dezember werden in Frankfurt die ersten Preisträger der mit 24.000 Euro dotierten "Serious Games Awards" bekannt gegeben, einem Wettbewerb für "gute Computerspiele", den die hessische Landesregierung ins Leben gerufen hatte. Teilnehmen dürfen nur Spiele-Entwickler und -Publisher, die ihren Sitz in Deutschland haben. Zudem müssen die Spiele deutschsprachig sein und dürfen keinerlei Gewaltdarstellungen oder gewaltverherrlichende Elemente beinhalten. Eine fünfköpfige Jury, der auch Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) angehört, entscheidet über die Gewinner. (pmz)

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