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Großer Satellit zerbirst in dicht besiedelter Umlaufbahn

In der geostationären Erdumlaufbahn ist der kommerzielle Satellit AMC-9 havariert und bricht jetzt immer weiter auseinander. Experten machen sich Sorgen um die umliegenden Satelliten – der Orbit um AMC-9 ist dicht besiedelt.

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(Bild: Szene aus "Space Cowboys" (Warner Bros.))

Seit vierzehn Jahren kreist der kommerzielle Satellit AMC-9 im geostationären Orbit über der Erde. Diese Umlaufbahn ist besonders beliebt, weil sie stabil ist und Satelliten dort mit wenig Aufwand ihre Position halten können. Derzeit schweben etwa 500 Satelliten in dieser Umlaufbahn.

Am 17. Juni verlor der Betreiber von AMC-9 die Kontrolle über den Satelliten. Der Satellit schwebte über den USA und Mexiko, um dort Datendienste bereitzustellen. Der Wert des Satelliten wird mit 38 Millionen Euro beziffert. Nach dem Zwischenfall begann der vom Luxemburger Konzern SES betriebene Satellit langsam aus seinem Orbit zu driften. Aufgrund seiner Position ist es aber unwahrscheinlich, dass er in die Atmosphäre zurückfällt.

Jetzt scheint der Satellit aber langsam auseinanderzubersten. Die Firma ExoAnalytic Solutions betreibt ein Teleskop-Netz, das laufend Objekte in der Erdumlaufbahn verfolgt. So observiert ExoAnalytic auch den havarierten Satelliten. Aufnahmen protokollieren, dass sich seit Mitte Juni mehrere Stücke von AMC-9 gelöst haben. ArsTechnica-Journalist Eric Berger hat einen Zusammenschnitt der Aufnahmen von ExoAnalytic auf YouTube hochgeladen. Unklar ist derzeit, ob die Brocken mit anderen in der gleichen Umlaufbahn kreisenden Satelliten kollidieren könnten.

Dem Weltraumexperten Brian Weeden zufolge sei es jedoch unwahrscheinlich, dass die Trümmer von AMC-9 eine Kettenreaktion auslösen. Beim sogenannten Kessler-Syndrom verursacht ein havarierender Satellit einen Billardeffekt mit immer schwerwiegenderen Kollisionen – das Ausgangsszenario für den Science-Fiction-Film "Gravity" von 2013. (ghi)