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Großes Gmail-Update: Neue Bedienoberfläche und selbstzerstörende Mails

Gmail wird schicker und schlauer: Die Bedienoberfläche bekommt ein neues Aussehen und um die Post kümmert sich eine KI. Für mehr Sicherheit sorgen Mails, die sich automatisch zerstören.

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Das neue Gmail

Google hat seinem Mail-Dienst Gmail ein neues Aussehen verpasst und einige neue Funktionen angekündigt: Das "wichtige Update" soll Nutzern und Unternehmen helfen, "sicherer, schneller und effizienter zu arbeiten", schreibt das Unternehmen. Unbedarfte Anwender werden künftig etwa durch auffälligere Sicherheitshinweise geschützt: Kommt Gmail eine Nachricht verdächtig vor (Phishing! Malware!), erscheint ein riesiger roter Hinweis, der nicht zu übersehen ist – bislang waren die Warnhinweise verhältnismäßig klein. Die neuen Hinweise sind zudem verständlicher formuliert und geben klare Handlungsanweisungen.

Noch ist "das neue Gmail" nicht auf den ersten Blick zu sehen – neugierige Privatnutzer müssen es in den Einstellungen (Zahnrad-Symbol) erst aktivieren. Dort gibt es die Option "Das neue Gmail testen", die eventuell noch nicht für alle sichtbar ist. Ein Klick auf "Zurück zum klassischen Gmail" stellt das alte Aussehen wieder her. Für Unternehmen will Google eine Anleitung bereitstellen. Nutzer, die sich generell für Neuheiten bei Gmail interessieren, sollten einen Blick auf Inbox by Gmail werfen: Hier experimentiert Google mit neuen Ideen und testet die "Next-gen Version" seines Mail-Dienstes.

Die Bedienoberfläche im aufgeräumten Material Design verfügt über neue Seitenleisten, die den Zugriff auf ​Gmail-Add-ons erleichtern. In der rechten Leiste sind zudem andere Dienste der G Suite integriert. So lassen sich Termine aus einer Mail schneller in den Google-Kalender eintragen. Neue Aufgaben finden Platz in einem " brandneuen 'Aufgabenplaner'"; Geistesblitze landen in Google Notizen, das ebenso in Gmails Bedienoberfläche eingebaut ist.

Gmail erinnert den Nutzer automatisch an Mails, die wohl in Vergessenheit geraten sind.

(Bild: Google)

Über ein "Hover-Menü" bietet Gmail eine "Snooze"-Funktion für einzelne Mails. Mit ihr lässt sich die Beantwortung einer Nachricht auf später verschieben. Vielflieger, die ihre Mails gern über den Wolken beantworten, dürfen sich auf eine native Offline-Funktion freuen, die in den "kommenden Wochen" aktiviert wird. Bislang mussten Nutzer die Chrome-App herunterladen, um Mails ohne Internetverbindung verwalten zu können.

Gmail verfügt seit einigen Monaten über proaktive Phishing-Schutzmaßnahmen, die offenbar Wirkung zeigen: Laut Google konnte Gmail seitdem 99,9 Prozent der BEC-Versuche blockieren; BEC steht für "Business E-Mail Compromise". Dabei versuchen Attackierende, Zugriff auf ein Firmen-Mail-Konto zu bekommen. Noch mehr Sicherheit verspricht Gmail durch einen "vertraulichen Modus". Er schützt sensible Inhalte und versieht E-Mails mit einem Ablaufdatum. Statt der Mail erhalten die Nutzer einen Link zum Inhalt – so lassen sich bereits gesendete Nachrichten auch wieder zurückholen.

Im "vertraulichen Modus" verschickt Gmail E-Mails, die nach einem festgelegten Zeitraum automatisch verschwinden.

(Bild: Google)

Nutzer, die auf Nummer sicher gehen wollen, aktivieren eine zusätzliche Authentifizierung via SMS. Die Daten seien laut Google dann sogar geschützt, wenn der Account des Empfängers gehackt wurde (und die Halunken nicht das Smartphone geklaut haben). IRM-Steuerelemente (Information Rights Management) entfernen auf Wunsch die Optionen "Weiterleiten", "Kopieren" und "Herunterladen" von Mails und erschweren ihren Ausdruck auf Papier. Der "vertrauliche Modus" soll "in den kommenden Wochen" verfügbar sein.

Heutzutage kommt kein Dienst, kein Smartphone, kein Kühlschrank mehr ohne Künstliche Intelligenz (KI) aus – auch Gmail nicht. Neue KI-gestützte Funktionen entlasten den Nutzer, indem sie etwa "intelligente Antworten" vorschlagen; in den Mobil-Apps macht Gmail dies bereits, nun auch in der Web-Version. Die Funktion "Automatische Erinnerungen" erinnert den Nutzer an Mails, die unbeachtet im Posteingang schlummern, aber wichtig sein könnten. Durch das sogenannte "Nudging" sollen wichtige Mails immer wieder im Fokus des Nutzers landen. "Auf diese Weise geht nichts verloren", findet Google.

Gmail erkennt künftig Newsletter, die der Nutzer eh nicht liest – ein kurzes Antippen kündigt das Abo.

(Bild: Google)

Praktisch ist eine automatische Abmelde-Funktion für Newsletter: Erkennt die KI ein Rundschreiben, das der Nutzer sowieso nie liest, ploppt ein Vorschlag zum Abbestellen auf. Mit einem Klick ist das Abo gekündigt – der Nutzer spart sich die Suche nach dem winzigen Abmelden-Link in der Mail. Diese Funktion soll bald freigeschaltet werden. Mit all den Neuerungen hat Gmail sein größtes Update seit Jahren erhalten. Nun muss es aber noch beweisen, dass es das Arbeiten tatsächlich "sicherer, schneller und effizienter" macht. (dbe)

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