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Großfusion auf Schweizer Telecommarkt: Sunrise übernimmt UPC

Liberty Global stösst ein weiteres europäisches Kabelnetzunternehmen ab. Diesmal hat das Telecomunternehmen Sunrise in der Schweiz bei UPC Schweiz zugeschlagen.

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Großfusion auf Schweizer Telekommarkt: Sunrise übernimmt UPC

(Bild: Sunrise)

Die Sunrise Communications Group AG, zweitgrößtes Unternehmen im Schweizer Telekommunikationsmarkt, wird den Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC Schweiz GmbH übernehmen. Eine verbindliche Vereinbarung darüber sei unterzeichnet worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Sunrise lässt sich das größte Schweizer Kabelnetzunternehmen 6,3 Milliarden Franken kosten (rund 5,5 Milliarden Euro).

In Höhe von 3,6 Milliarden Franken übernimmt Sunrise einen Teil der ausstehenden UPC-Schulden. Den restlichen Kaufpreis von 2,7 Milliarden plant Sunrise mittels einer Ausgabe von Bezugsrechtsemissionen in Höhe von 4,1 Milliarden Franken zu finanzieren.

Der CEO von Sunrise, Olaf Swantee, sieht die Übernahme als "große Chance": "Wir wollen damit den Markt bewegen". Das zielt natürlich auch auf die Swisscom, das größte Schweizer Telekommunikationsunternehmen (an dem die Eidgenossenschaft mehr als 51 Prozent des Aktienkapitals hält). Ob der neue Konzern tatsächlich ernsthaft mit Swisscom konkurrieren kann, bleibt abzuwarten.

Aber die Schweiz erhalte durch den Deal einen stärkeren und echt konvergenten Telecomanbieter, so Swantee, mit einer sehr guten Infrastruktur – bestehend aus dem Kabelnetz von UPC und den 4G- und bald auch 5G-Mobilfunknetzen von Sunrise. "Wir sind von den Perspektiven des kombinierten Unternehmens begeistert," sagt Swantee. Das gemeinsame Unternehmen soll nach Abschluss der Fusion unter dem Namen Sunrise firmieren.

UPC Schweiz ist der führende Kabelnetzbetreiber der Schweiz mit Zugang zu rund 2,4 Millionen Haushalten (ca. 60 Prozent aller Schweizer Haushalte), darunter mehr als 1,1 Millionen Video-Abonnenten, 0,7 Millionen Breitbandinternet-Abonnenten, 0,5 Millionen Telefonie-Abonnenten und 0,1 Millionen Mobilfunk-Abonnenten. Sunrise gab per September 2018 1,8 Millionen Mobile-Postpaidkunden an (ca. 24 Prozent Marktanteil), 1,2 Millionen Breitband-Kunden (ca. 30 Prozent Marktanteil) und 1,4 Millionen TV-Kunden (ca. 31 Prozent Marktanteil).

Die Transaktion erfolgt vorbehaltlich der erforderlichen Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden und der Zustimmung zur Bezugsrechtsemissionen durch eine außerordentliche Generalversammlung Die Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden werden im zweiten oder dritten Quartal 2019 erwartet. Mit dem Vollzug der Transaktion wird im zweiten Halbjahr 2019 gerechnet.

Das wird voraussichtlich auch in dem Zeitrahmen sein, in dem die zuständigen Wettbewerbsbehörden, die EU-Kommission und das Bundeskartellamt die Entscheidung hinsichtlich der Übernahme von weiteren Liberty-Global-Töchtern in Deutschland, der Tschechischen Republik, Ungarn und Rumänien bekanntgeben werden. Hier soll der neue Besitzer Vodafone heißen.

Die Übernahme in der Schweiz dürfte im Moment vor allem unter den Sunrise-Aktionären für wenig Begeisterung sorgen. Angesichts der geplanten Kapitalerhöhung, die für die Übernahme notwendig würde, geriet die Aktie an der Börse unter erheblichen Verkaufsdruck. Im frühen Handel gaben Sunrise-Titel teilweise fast 12 Prozent nach. Außerdem will Sunrise-Großaktionär Freenet die milliardenschwere Kapitalerhöhung nicht mitmachen, wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP meldet. Die deutsche Freenet hält knapp 25 Prozent der Aktien von Sunrise. Der Mobilfunkanbieter war 2016 bei Sunrise eingestiegen. (mho)