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Groupon verliert an Schwung: Aktie stürzt ab

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Das in Rekordzeit zu einem Milliardenkonzern aufgebaute Schnäppchenportal Groupon hat einen kräftigen Dämpfer einstecken müssen: Der Zulauf an Kunden hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt, genauso das Umsatzwachstum. Der Trend wird sich nach Ansicht des Managements im laufenden dritten Quartal noch verschlimmern.

Die Anteilseigner reagierten nach der Vorlage der Zwischenbilanz panisch: Der Kurs der Aktie brach nachbörslich um knapp 20 Prozent auf ein neues Allzeittief von 6,06 US-Dollar ein. Beim Börsengang im November hatten Anleger noch 20 Dollar berappen müssen, die Aktie war zeitweise bis auf 31 US-Dollar gestiegen. Die Börsianer ließen sich auch nicht dadurch beschwichtigen, dass Groupon netto 28 Millionen Dollar verdiente nach einem Verlust von 107 Millionen Dollar vor einem Jahr. Die schwarzen Zahlen gelangen dem Unternehmen letztlich nur durch den Tausch von Anteilen an Firmen in China und einem daraus resultierenden Gewinn.

Einzelhändler und andere Gewerbetreibende können bei Groupon Rabattcoupons anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Das Unternehmen erhält dann eine Kommission. "Wir hatten ein solides Quartal trotz Herausforderungen in Europa und weiteren Investitionen in Technologie und Infrastruktur", erklärte Gründer und Firmenchef Andrew Mason.

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz von Groupon im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 568 Millionen Dollar. Für andere Unternehmen wäre das ein gewaltiger Erfolg. Doch für Groupon ist es eine mittlere Katastrophe: Im ersten Quartal hatte die Firma noch doppelt so stark zulegen können. Und gegenüber dem ersten Quartal, als Groupon einen Umsatz von 559,4 Millionen US-Dollar erzielte, gab es praktisch kein Wachstum mehr. Für das dritte Quartal ist eine Abschwächung des Wachstums im Jahresvergleich auf 35 bis 44 Prozent prognostiziert.

Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel daran, dass das Geschäftsmodell des erst 2008 gestarteten Unternehmens überhaupt dauerhaft funktionieren kann. Die Frage ist, ob die hohen Kosten für das Aufspüren und die Vermarktung der Schnäppchen sich rechnen. Einige Konkurrenten haben bereits die Segel gestrichen. Größter Rivale ist derzeit LivingSocial, hinter dem unter anderem der größte Online-Händler Amazon als Investor steckt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Groupon am Kapitalmarkt bereits viel Porzellan zerschlagen hat. Das Unternehmen machte mehrfach Schlagzeilen wegen schlampiger oder etwas zu einfallsreicher Buchführung und musste seine Zahlen korrigieren. Auch die Einzelhändler, die auf Groupon als neuen Umsatzbringer hofften, sind mittlerweile immer öfter enttäuscht: Die Schnäppchenjagd werde für Unternehmen, Gewerbetreibende und die Käufer der Rabattscheine immer öfter zum Albtraum, berichtete etwa die Wirtschaftswoche vor Kurzem. (jk)