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Grüne fordern mehr Chancen für Frauen in der IT-Branche

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Die Bundesfrauenkonferenz fem@il the future der Grünen hat einen besseren Zugang von Frauen zur Informationstechnologie gefordert. Dazu gehörten Computerkurse an Schulen nur für Mädchen, Frauen-Studiengänge in Informatik und IT-Weiterbildungsangebote speziell für Frauen. "Frauen haben in der Informationstechnologie eine Chance", sagte Niombo Lomba vom Bundesvorstand der Grünen am Sonntag zum Abschluss der dreitägigen Konferenz. Dazu müsse aber eine gleichberechtigte Teilhabe an den neuen Technologien gewährleistet sein.

In der Bildungspolitik setzen sich die Grünen für eine teilweise Aufhebung des gemeinsamen Unterrichts für Mädchen und Jungen in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern ein. Möglichst frühzeitig sollten Schülerinnen für technische Studiengänge motiviert werden. Dazu müssten auch die Lehrerinnen entsprechend fortgebildet werden. An den Hochschulen sollten eigene Informatik-Studiengänge für Frauen eingerichtet und Mentor-Programme aufgelegt werden. Auch bei der Fort- und Weiterbildung von Frauen fordern die Grünen "passgenaue Programme" für Frauen. Für Existenzgründerinnen sollten Risikofonds zur finanziellen Absicherung zur Verfügung stehen.

Führende Grünen-Politikerinnen warnten vor der Benachteiligung von Frauen in der Informationsgesellschaft. "Wir sehen die Gefahr, dass die allgemeine Euphorie nicht neue Geschlechterverhältnisse hervor bringt, sondern die alten manifestiert", heißt es in einer Abschlusserklärung. Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Kerstin Müller, warnte schon zum Auftakt des Kongresses vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: "Wenn Frauen und Mädchen den Anschluss an IT nicht verpassen wollen, dann müssen sie den gleichen Zugang zu den Technologien bekommen wie Männer und Jungen", forderte Müller.

Die scheidende Bundesvorsitzende der Grünen und jetzige Verbraucherschutzministerin, Renate Künast, sprach von einem Nachholbedarf bei der Ausbildung und der Berufstätigkeit von Frauen in der IT-Branche. Einerseits würden mit der Green Card kreative Menschen nach Deutschland geholt, andererseits werde hier zu Lande nicht genügend ausgebildet. "Die wenigen, die es dann gibt, werden abgeworben und gehen in die USA", sagte Künast. Die Chancen für Frauen, in die neuen Bereiche einzusteigen, müssten auch mit speziellen Aus- und Weiterbildungsanboten verbessert werden.

Müller verwies auf Schätzungen von Wirtschaftswissenschaftlern, denen zufolge bis Ende dieses Jahrzehnts bis zu 750.000 neue Arbeitsplätze in der IT-Branche in Deutschland entstehen könnten. Bis zum Jahr 2003 wolle die Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft 60.000 neue Ausbildungsplätze in diesem Bereich anbieten. Bislang sei offen, "ob auch die Mehrheit der Frauen diese Chancen nutzen können", sagte Müller. Deshalb sei eine "Qualifizierungsoffensive" für Mädchen und Frauen notwendig, um die digitale Spaltung in der Gesellschaft nicht zu zementieren. (dpa) / (jk)