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Grünes Licht für Pfadfinder Galileo

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Auf ihrem Jahrestreffen in Edinburgh hat die Europäische Weltraumbehörde European Space Agency (ESA) ihr Engagement für das europäische Ortungssystem Galileo bekräftigt. Bis zum Jahr 2005 will die ESA 527 Millionen Euro in die Entwicklung von Galileo stecken. Weitere 300 Millionen sollen von der ETC (European Transport Commission) kommen, außerdem fließen fest zugesagte 200 Millionen über ein privates Joint Venture in das aufwändige Satellitenprojekt. Insgesamt will dieses Joint Venture 1,2 Milliarden Euro aufbringen. Damit dürften die Zweifel an der Realisierbarkeit des insgesamt auf 3,25 Milliarden Euro veranschlagten Systems ausgeräumt sein. Ausschlaggebend für die positive Entscheidung der ESA war ein Gutachten der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers, das für Galileo eine günstige Prognose bei den Einnahmen abgab. Nach dem Gutachten sollen die Lizenzen für Galileo-Chipsätze und die Gebühren von Service-Providern Galileo in wenigen Jahren amortisieren.

Im Endausbau soll Galileo aus 30 Navigationssatelliten bestehen, die auf einer Erdumlaufbahn in 24.000 km Höhe geparkt werden und Positionssignale senden. Jedes mit Galileo-Chips ausgerüstete Gerät kann mit den Signalen von drei bis vier Galileo-Satelliten seine Position auf wenige Meter genau bestimmen. Im Gegensatz zu den aus der Militärtechnik kommenden amerikanischen und russischen GPS-Angeboten (Global Positioning System) ist Galileo von Grund auf als ziviles Messsystem geplant. Mit ihm sollen zum Beispiel das Transportgewerbe und die Mobilfunkindustrie "Location Based Services" von größter Genauigkeit bieten können. Für ortsbezogene Dienste, etwa die Auswahl eines Restaurants in nächster Nähe, ist die Ortung eines Mobiltelefons in einer Funkzelle derzeit noch zu ungenau. Auch die Scada-Systeme (Supervisory Control and Date Aquistion) des Transportgewerbes sind auf genaue Positionsdaten angewiesen. Solche Daten liefert zwar auch das US-amerikanische GPS, jedoch lassen sich bei dessen ziviler Nutzung nur die Werte von maximal drei Satelliten zur Positionsbestimmung heranziehen, was weniger genaue Resultate nach sich zieht.

Eine erste Anwendung für das kommende Galileo-System zeigte die Berliner Firma Gate5 auf der Hausmesse des Handy-Herstellers Nokia in Frankfurt. Nokia gehört zu den Firmen, die ihre Mobiltelefone mit dem Galileo-Chipsatz ausrüsten wollen, sobald dieser kostengünstig verfügbar ist. Auf Basis des Nokia-Entwicklungssystems mPlatform demonstrierte Gate5 die Software map5, ein (Berliner) Stadtplan, auf dem laufend die aktuelle Position befreundeter Handyträger angezeigt wird. So soll es das System auch Ortsunkundigen ermöglichen, sich nicht nur schnell und einfach zu verabreden, sondern auch zu treffen. Eine andere Variante von map5 läuft unter dem Namen yellow5 als Stadtplan mit integriertem Branchenverzeichnis.(Detlef Borchers) / (dz)