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Grundig will 900 Stellen abbauen

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Der angeschlagene Elektronikkonzern Grundig will bis Ende dieses Jahres rund 900 Stellen abbauen und den letzten Teil der Fernseher-Produktion ins Ausland verlagern. Einem entsprechenden Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger habe der Aufsichtsrat "in Grundzügen" zugestimmt, berichtete Vorstandssprecher Herbert Bruch am heutigen Freitag.

Nach Abschluss der Umstrukturierung werde Grundig in Deutschland 2.000 Mitarbeiter beschäftigen, davon 1.750 in Bayern. Weltweit soll der Konzern künftig 5.000 Mitarbeiter zählen. Der Vorstand sei überzeugt, dass "das Konzept tragfähig ist und die Zukunft von Grundig gewährleisten kann". Grundig ist in die bundesdeutsche Wirtschafts-Geschichte vor allem als einer der wichtigsten Fernseh-Hersteller eingegangen.

Mehr als 300 Beschäftigte in Nürnberg legten nach Bekanntgabe der Pläne die Arbeit nieder. Mit Trillerpfeifen machten sie vor der Filiale der Deutschen Bank ihrem Unmut Luft. Vertreter der Bank sitzen im Grundig-Aufsichtsrat. Der Vizevorsitzende der IG Metall in Nürnberg, Jürgen Wechsler, betonte, die Entscheidung des Aufsichtsrats sei für die Gewerkschaft nicht akzeptabel, und kündigte weitere Proteste an.

Allein in Nürnberg sollen nach dem Aufsichtsratsbeschluss bis zu 600 Arbeitsplätze verloren gehen, damit bleiben am Hauptstandort rund 1.600 Jobs übrig. Die gesamte Fernsehgeräte-Produktion soll von Nürnberg-Langwasser nach Wien verlagert werden. Dabei setze das Unternehmen vor allem auf moderne multimediale Geräte mit Internet- und Satellitenzugang, erläuterte Bruch. Außerdem werde der Konzern künftig in eigenverantwortliche Geschäftseinheiten umstrukturiert.

Betriebsratsvorsitzender Dieter Appelt sagte, die Aufgabe der Fernsehgeräteproduktion in Nürnberg-Langwasser werde der Betriebsrat so nicht hinnehmen. Es sei von Schaden für den gesamten Konzern, wenn ausgerechnet die traditionsreiche TV-Herstellung nicht mehr in Deutschland stattfinde. "Der Name Grundig hat in Deutschland deshalb so einen guten Klang, weil rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland gemacht werden", unterstrich Appelt. (dpa) / (jk)