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Guardian-Chef: Paid Content kann ins Abseits führen

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Der Chefredakteur der britischen Tageszeitung The Guardian hat die Zeitungsbranche davor gewarnt, sich mit universellen Bezahlschranken für die Onlineangebote der Medien selbst zu schaden. Die vom Verleger Rupert Murdoch angestoßene Kampagne, auf den Websites der Zeitungen nur noch zahlende Benutzer zuzulassen, könne die Branche "schlafwandlerisch ins Abseits" führen, sagte Alan Rusbridger in einem Vortrag in London. "Wir drehen einer Welt den Rücken zu, die Wissen und Inhalte teilt und sich frei austauschen möchte." Zeitungen würden dann in einer offenen Web-Gemeinschaft viel weniger verlinkt und könnten sich ihrerseits kaum noch mit dem Web verlinken.

Bei der Frage, wie man mit journalistischen Angeboten im Web Geld verdienen könne, bewege man sich noch in einem "experimentellen Stadium", so Rusbridger. "Ich finde es gut, dass Murdoch oder die New York Times eine Bezahlschranke ausprobieren. Wir können davon nur lernen." Es sei auch nicht für immer ausgeschlossen, dass der Guardian Angebote bezahlpflichtig machen werde. "Wir wären aber verrückt, wenn wir uns jetzt alle zusammen wie eine Herde auf eine Seite des Schiffs bewegen und darauf beharren, dass eine Bezahlschranke eingerichtet werden muss."

In den USA und in Großbritannien hatte sich vor allem der Medien-Mogul Rupert Murdoch dafür eingesetzt, die Online-Ausgaben von wichtigen Tageszeitungen wie der Londoner Times oder des Wall Street Journal komplett kostenpflichtig zu machen. Die New York Times will schrittweise bis zum Jahr 2011 eine Bezahlschranke einrichten. In Deutschland experimentiert vor allem der Axel-Springer-Verlag mit seinen Regionalzeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost mit Bezahlangeboten im Web. Außerdem setzt Springer wie etliche andere Verlage auf kostenpflichtige Anwendungen für Smartphones.

Rusbridger sagte, selbst im von der Wirtschaftskrise geprägten Jahr 2009 sei es dem Guardian gelungen, bei einer monatlichen Reichweite von 37 Millionen Anwendern einen Umsatz von 25 Millionen Pfund (28,5 Millionen Euro) mit Online-Werbung zu machen. Damit könne man zwar nicht die Erstellung aller Inhalte finanzieren, fahre aber nach allen Schätzungen besser als mit einem bezahlpflichtigen Online-Angebot, bei dem die Reichweite zwangsläufig viel kleiner sei.

Der Chefredakteur verwies auf Schätzungen des britischen Werbe-Gurus Sir Martin Sorrell, wonach sich das Volumen des digitalen Werbemarktes bis zum Jahr 2014 auf 14 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) mehr als verdoppeln werde. "Sorell sagt nicht, dass dieses Wachstum komplett bei den Tageszeitungen landen wird." Es sei aber viel zu früh, um das Werbemodell zur Finanzierung des Online-Journalismus als gescheitert zu bezeichnen. (dpa) / (vbr)

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