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Guardians of the Galaxy: The Telltale Series angespielt – Helden mit kleinen Fehlern

Guardians of the Galaxy: The Telltale Series angespiel - Helden mit kleinen Fehlern

Telltale Games hat aus den Weltraumabenteuern von Guardians of the Galaxy eine interaktiven Fernsehserie gemacht, die in fünf Episoden erscheint. Wir haben die erste Folge Tangled Up in Blue durchgespielt.

Marvel’s Guardians of the Galaxy von Telltale Games basiert offiziell auf der Comicvorlage, aber inhaltlich ist es ganz nah bei den Film-Guardians. Ich übernehme die Rolle des schlagfertigen Peter Quill alias Star-Lord, dem Anführer der Guardians.

Meine Crew dürfte jeder aus dem Film kennen: die ernste und tödliche Gamora, den rachsüchtigen Kraftprotz Drax, den zynischen und geldgierigen Waschbär Rocket und das liebenswerte Baumwesen Groot. Gemeinsam treffen wir in der ersten Mission auf Erzfeind Thanos. Natürlich läuft nicht alles so wie geplant. Wie im Film streiten wir uns ordentlich, bevor wir gemeinsam eine Lösung finden. Familie eben.

Dennoch halten wir am Ende ein mächtiges Artefakt namens Eternity Forge in den Händen. Was es so genau kann, wissen wir noch nicht. Aber dass die halbe Galaxie darauf Jagd macht, spüren wir bald. Am Ende kämpfen wir auf Leben und Tod mit den letzten Überlebenden einer ausgestorbenen Alienrasse, treffen alte Bekannte wieder und machen eine erstaunliche Entdeckung. Nach rund neunzig Minuten endet die erste Episode mit einem Cliffhanger.

Machen wir uns nichts vor: Spielerisch sind diese Guardians nicht besonders anspruchsvoll. Wie in anderen Telltale-Spielen wie The Walking Dead oder Tales of the Borderlands muss ich nur im richtigen Moment den Stick in die richtige Richtung ziehen oder die Buttons unter Zeitdruck drücken. Zwar klingt das nicht besonders spannend, doch besonders im spektakulären Kampf gegen Thanos entstehen so die packendsten Momente des Spiels. Schade, dass diese Actionszene gleich am Anfang verbraten wird.

Den Reiz dieser Art von Spiel machen die Entscheidungen aus. Halte ich lieber zum geldgierigen Rocket oder stimme ich der vernünftigen Gamora zu? Liefere ich meine Beute an die Weltraumpolizei aus oder verkaufe ich sie dem zwielichtigen Untergrundboss Collector? Das Spiel merkt sich diese Entscheidungen, aber welche Auswirkungen sie auf die weitere Handlung haben ist nach dieser ersten Episode noch nicht abzusehen. Im Gegensatz zu Telltales The Walking Dead dürften sie aber nicht so gravierend sein. Schließlich handelt es sich bei den „Guardians of the Galaxy“ um eine Action-Komödie und nicht um ein postapokalyptisches Zombie-Überlebensdrama.

Die visuelle Gestaltung erinnert an die Comic-Vorlage. Das ist charmant, kann aber die mangelnde Mimik und die hakeligen Animationen nicht ausgleichen. Besonders bei einem Spiel, das so sehr auf Story, Figuren und Emotionen setzt, hätte ich mir etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht. Telltale ist in diesem Punkt auf dem guten Niveau des ersten Walking-Dead-Spiels stehen geblieben. Dagegen kann der Soundtrack mit Songs wie Livin’ Thing von ELO überzeugen. Da bin ich gespannt, welche Klassiker Telltale im späteren Spielverlauf noch ausgraben wird.

Telltale erfindet das Rad nicht neu. Wer ein ähnliches Spiel der Kalifornier gespielt hat, sollte wissen, was auf ihn zukommt. Der spielerische Anspruch ist gering, aber dagegen stimmen Story, Dialoge und der Soundtrack. Ich bin gespannt, was es mit diesem merkwürdigen Artefakt auf sich hat und wie es mit den Figuren weitergeht.

Wenn das dann auch noch so locker und schlagfertig erzählt wird wie bei Tangled Up in Blue, nehme ich auch zwanghafte Moralbotschaften über Freundschaft und Familie gerne in Kauf. Tangled Up in Blue ist ein gelungener Auftakt für die neue Telltale-Reihe, der Lust auf mehr macht. Wer auf schlagfertige Dialoge, schräge Figuren und Pop-Klassiker steht, ist hier genau richtig.

Die erste Episode von Marvel’s Guardians of the Galaxy: The Telltale Series ist am 18. April für PC, Playstation 4, Xbox One, iOS und Android als Download erschienen. Für unser Angespielt haben wir sie auf dem PC durchgespielt. (Andreas Müller) / (dahe[3])


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