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Guter Start für Vivaldi-Browser

In wöchentlichen Snapshots soll der neue Browser des langjährigen Opera-Chefs Jon von Tetzchner eine ehrgeizige To-do-Liste verwirklichen. Die schon stattliche Nutzerschaft wird es freuen.

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Guter Start für Vivaldi-Browser

Vivaldi, der neue Browser des langjährigen Opera-Chefs Jon von Tetzchner, wurde dessen Angaben zufolge in der ersten Woche schon 400.000 Mal heruntergeladen. Das ist zwar signifikant weniger als seinerzeit bei Firefox oder Chrome, aber für ein bis dahin nahezu unbekanntes Unternehmen ein beachtlicher Start.

Wöchentliche Snapshots

Bis auf Weiteres will Vivaldi wöchentliche "Snapshots" veröffentlichen, die als "unstable" gelten. Der erste dieser Snapshots mit der Versionsnummer 1.0.94.2 erschien am Dienstag, pünktlich eine Woche nach dem Launch der Preview-Version. Updates installieren sich derzeit noch nicht automatisch. Der Snapshot soll unter anderem einige Bugs mit Tastaturkürzeln und eine Performance-Bremse beseitigt haben; zahlreiche Nutzer hatten bemerkt, dass die erste Vivaldi-Version recht langsam war. Wichtigstes neues Feature dürfte die Wiederherstellbarkeit von Browser-Fenstern sein. Über den aktuellen Stand der Dinge tauscht sich ein Forum aus, neu entdeckte Bugs lassen sich hier melden.

Als wichtigste der bislang zumindest teilweise umgesetzten Features nennt Vivaldi die Tastaturbedienung ("Quick Commands") mit inkrementeller Suche von Browser-Befehlen und offenen Tabs, die Notizen, die Schnellwahl mit Lesezeichen-Ordnern und gruppierte Tabs. Im Hintergrund liegende Tabs zeigen beim Überfahren eine Seitenvorschau an. Geplant sind ein eingebauter Mail-Client, Erweiterungen, Synchronisation von Notizen, Lesezeichen, History und Sessions sowie ein "Spatial Navigation" getauftes Konzept für tastengesteuerte Seitennavigation auf einer Seite – womit sich der Browser weitgehend ohne Maus bedienen lassen würde.

Vivaldi ist der neue Opera

Im Gespräch mit heise online erläuterte von Tetzchner die Hintergründe und Ideen von Vivaldi. Nach dem Kurswechsel seiner alten Firma sei er auf der Suche nach einem neuen Browser gewesen: "Mit Vivaldi versuchen wir, die Art von Browser zurückzubringen, die Opera immer war, und ihn so weiterzuentwickeln, wie es der nächste natürliche Schritt für Opera gewesen wäre. Opera hat aufgehört, Opera zu machen. Es gibt eine Nachfrage für einen Browser, der mehr Features mitbringt." Inzwischen benutze er Vivaldi seit Monaten als Default-Browser.

Neuer Web-Browser Vivaldi (9 Bilder)

Der Installations-Screen des neuen Web-Browsers.

"Die meisten Browser konzentrieren sich darauf, einfach zu sein. Das ist gut, aber man braucht auch etwas Anderes. Der Browser ist das Werkzeug unserer Zeit, mit dem die Leute am meisten Zeit verbringen. Da wäre es merkwürdig, wenn alle mit dem Gleichen zufrieden wären", beschreibt von Tetzchner die Idee hinter dem Browser. Vivaldis Bedienoberfläche hat mit der Chromes nichts gemeinsam und nutzt als technische Basis selbst Webtechniken. Das erleichtere es, mehrere Betriebssysteme zu bedienen. Schon bei Opera habe er so etwas versucht, so Tetzchner, aber nicht geschafft.

Chrome-Erweiterungen

Wie einige Nutzer bereits festgestellt haben, lassen sich viele Chrome-Erweiterungen in Vivaldi nutzen. "Wir verstecken den Erweiterungsmechanismus ein bisschen, weil uns noch einige Hooks in der Bedienoberfläche fehlen - die wir ja komplett neu bauen. Eine Menge Erweiterungen funktionieren bereits. In der finalen Version wird man Chrome-Erweiterungen installieren können."

Eine mobile Version sei geplant; zur Datenkompression – einem Feature, das maßgeblich zu Operas Erfolg beitrug – wollte sich der Vivaldi-Chef nicht im Detail äußern: "Natürlich werden wir nachdenken, was wir auf der Serverseite tun können."

Mit den Chromium-Entwicklern steht Vivaldi bisher nicht in Kontakt, weil die Browser-Pläne bis vor Kurzem noch geheim waren, aber "wir haben Bugs gemeldet". Mit dem Chromium-Code zu arbeiten sei "ehrlich gesagt nicht einfach". Einen Suchmaschinenvertrag, über den sich der Browser finanziert, gebe es noch nicht.

Mit einem kleinen Team von ungefähr 25 Leuten habe Vivaldi jedoch keine andere Wahl gehabt, als eine fertige Engine zu nehmen: "Es gibt einen Grund, warum weder Apple noch Google ihre Browser von Grund auf neu entwickelt haben. Eine Browser-Engine zu bauen, ist extrem schwierig, und man braucht sehr lange, damit sie reift und kompatibel zu allem wird. Damit hatten wir bei Opera zu kämpfen. Ich glaube, unsere Engine war großartig, aber sie muss weitergeführt werden. Und das ist seit vier Jahren nicht passiert." (vbr)

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