Gutes tun beim Einkauf im Netz

Spendenportale für Online-Shopper versprechen Online-Einkauf in Verbindung mit Spenden für einen guten Zweck und damit einem guten sozialen Gewissen - nur ein absurder Traum?

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  • Stefanie Hiekmann, dpa

Online einkaufen, nebenbei etwas für einen guten Zweck geben und letztlich keinen Cent daufzahlen – das klingt wie ein absurder Traum. Es ist aber eine Strategie, mit der Betreiber von inzwischen mehreren Webseiten Spenden für Hilfsorganisationen sammeln wollen. Clicks4Charity, Socialpower, Planethelp oder Ein Klick der hilft heißen diese Portale zum Beispiel. Das Prinzip ist denkbar einfach: Wer im Netz einkaufen möchte, öffnet zunächst eines der Spendenportale. Sie arbeiten mit diversen Onlineshops und teilweise auch mit Suchmaschinen zusammen. In einem Kategorienbaum findet der Nutzer Links zu den Shops – geordnet nach Themenbereichen.

Wer auf diesem Weg auf eines der Einkaufsportale gelangt, löst automatisch einen Informationsaustausch zwischen dem Shop und dem Spendenportal aus. Kauft der Nutzer etwas, leitet der Betreiber des Shops entweder einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises oder einen Fixbetrag an das Spendenportal. Von dort aus gelangt das Geld an eine Hilfsorganisation oder ein konkretes Projekt. Der Nutzer spendet also nicht selbst, sondern lässt den Onlineshop durch seinen Kauf spenden.

Die genannten Portale arbeiten durchweg nach diesem Prinzip, in Details gibt es aber Unterschiede, die für den Nutzer interessant sein können. Bei Clicks4Charity, einem von sechs Studenten aus München gegründeten Portal, kann der Nutzer etwa selbst eine Hilfsorganisation auswählen, die er unterstützen möchte. Derzeit stehen 13 auf der Liste: die Welthungerhilfe, die Caritas oder eine Bildungskampagne in Nepal. Erst wenn sich der Nutzer für eine Organisation entschieden hat, kommt er zur Auswahl der Shops. Dazu gehören Amazon und Yves Rocher ebenso wie die Autovermietung Sixt oder die Skateboard-Kette Titus. Bei der wird auch sichtbar, welcher Anteil des Kaufpreises gespendet wird. Die Betreiber von Clicks4Charity weisen darauf hin, dass sie zehn Prozent der Spendensumme für anfallende Kosten wie den Unterhalt der eigenen Webseite einbehalten. "Für uns persönlich bleibt kein Cent", versichert Odin Mühlenbein, einer der Gründer des Portals.

Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen in Berlin (DZI), das unter anderem Verbraucher rund um das Spenden informiert, stuft zehn Prozent Kosten als "niedrig" ein. Liegen sie zwischen zehn und 20 Prozent, seien sie "angemessen" und bis zu einer Höhe von 35 Prozent immerhin noch "vertretbar". "Solche Angaben sollten auf den Spendenportalen für den Nutzer sichtbar sein", sagt Christel Neff vom DZI. Das ist etwa beim Portal Planethelp der Fall. Das gemeinnützige Projekt eines Unternehmens aus Pliezhausen (Baden-Württemberg) unterstützt derzeit rund zwei Dutzend Organisationen von der Aktion Deutschland Hilft bis zur Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Allerdings behält sich Planethelp laut dem Internetauftritt vor, bis zu 49 Prozent für die administrativen Kosten einzubehalten – nach DZI-Kriterien hieße das unter Umständen: durchgefallen.

Grundsätzlich seien diese Portale trotzdem ein "Gewinn für den Spendensektor", sagt Christel Neff – nicht zuletzt, weil sie mehr junge Menschen zu Spendern machen würden. Außerdem böten die Seiten zahlreichen Hilfsprojekten eine kostenlose Möglichkeit, sich online zu präsentieren. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände in Berlin begrüßt die Spendenseiten grundsätzlich: "Das Prinzip überzeugt vor allem durch die Einfachheit", sagt Geschäftsführer Werner Ballhausen. Sich vorabei zu informieren, schadet nach Neffs Worten aber nicht: "Vor allem gilt es zu prüfen, ob der Betreiber des Spendenportals ein gemeinnütziger oder kommerzieller Anbieter ist."

Hinter Ein Klick der hilft steht die Maria und Hermann Linnemann Stiftung aus Meppen (Niedersachsen), die verschiedene Seniorenprojekte unterstützt. Hier werden nach Käufen bei den beteiligten Shops bis zu 20 Prozent des Kaufpreises gestiftet. Allerdings können die Nutzer nicht selbst zwischen Projekten wählen.

Die Betreiber von Socialpower verweisen darauf, dass über die Seite in erster Linie Organisationen oder Vereine gefördert werden, die das Spendensiegel des DZI tragen. Die Betreiber von Clicks4Charity achten zwar ebenfalls darauf, ob eine Organisation das Siegel trägt oder nicht. Doch nach Worten von Odin Mühlenbein können auch kleine Projekte, die sich die Zertifizierung nicht leisten können, seriös sein. "Zumal das DZI-Spendensiegel auch nur für bundesweit agierende Organisationen gedacht ist", sagt Werner Ballhausen. Wer über ein Spendenportal dagegen ein lediglich regional tätiges Projekt fördern will, sich aber noch nicht sicher ist, könne dessen Seriosität auch anderweitig kontrollieren: "Bei regionalen Projekten kann man sich selbst vor Ort ein Bild machen, anrufen und nach bisherigen Erfolgen oder einem Jahresbericht fragen." (Stefanie Hiekmann, dpa) / (jk)