H&M soll Mitarbeiter massiv ausgespäht haben

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte wirft H&M vor, Beschäftigte detailliert und systematisch ausgespäht zu haben.

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Blick in eine H&M-Filiale in Hamburg.

(Bild: H&M)

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Wegen des Verdachts, Mitarbeiter massiv ausgespäht und auch private Daten über Krankheiten und familiäre Hintergründe gespeichert zu haben, droht dem schwedischen Bekleidungshändler Hennes&Mauritz (H&M) ein hohes Bußgeld.

Er habe ein Bußgeldverfahren eingeleitet, sagte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Verdacht massiver Verstöße gegen Datenschutzrechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe sich erhärtet.

"In der Tat hat es in dem Unternehmen am Standort in Nürnberg eine massive Ausspähung der Beschäftigten gegeben", sagte Caspar der dpa. "Das hat die Auswertung der uns vorliegenden Protokolle von erheblichem Umfang ergeben." Dabei handele es sich um detaillierte und systematische Aufzeichnungen von Vorgesetzten über ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

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Eine H&M-Sprecherin teilte der dpa schriftlich mit: "Wir nehmen den Vorfall nach wie vor sehr ernst und bedauern aufrichtig, dass Kolleg*innen betroffen sind." Das Unternehme kooperiere vollumfänglich mit der Datenschutzbehörde, habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen und stehe in engem Dialog mit allen Kollegen. "Der Schutz der persönlichen Daten unserer Kolleg*innen hat für uns oberste Priorität", versicherte sie und bat angesichts der laufenden juristischen Prüfung um Verständnis, "dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiter äußern können".

Schon im Herbst 2019 hatte Verdi H&M vorgeworfen, dass Vorgesetzte Mitarbeiter eines Nürnberger Call Centers in unzulässiger Weise ausgespäht hätten. Die Mitarbeiter, die für die Abwicklung von Bestellungen zuständig seien, seien von Vorgesetzten zu Gesprächen gebeten worden, die teilweise einen halb privaten Charakter gehabt hätten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse seien ohne das Wissen der Mitarbeiter gespeichert worden. Nach Gewerkschaftsangaben war die Sache aufgeflogen, nachdem einer der Vorgesetzten die Mitschriften auf einem öffentlich zugänglichen Laufwerksordner abgelegt habe.

Der Fall liegt in der Zuständigkeit des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz, weil das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat.

"Das qualitative und quantitative Ausmaß der für die gesamte Leitungsebene des Unternehmens zugänglichen Mitarbeiterdaten zeigt eine umfassende Ausforschung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren ohne vergleichbares Beispiel ist", sagte Caspar der FAZ. "Es handelt sich dabei auch um Gesundheitsdaten der Betroffenen, von der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, sowie um Daten von Personen aus deren sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse."

Dem Blatt zufolge droht H&M laut Datenschutz-Grundverordnung im schlimmsten Fall ein Bußgeld in Höhe von vier Prozent des globalen Jahresumsatzes. Derzeit laufe eine Anhörung zu den Vorwürfen, für die eine Frist von zwei Wochen gesetzt worden sei, sagte Caspar der dpa. "Nach Abschluss der Anhörung wird dann über den Erlass eines Bußgeldbescheides entschieden werden." (anw)