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HAI 2017: Humanoide Roboter sind immer noch die beliebtesten Agenten

Während der International Conference on Human-Agent Interaction (HAI 2017) in Bielefeld tauschen sich Forscher darüber aus, mit welchen Agenten sich am besten interagieren lässt.

HAI 2017: Humanoide Roboter sind immer noch die beliebtesten Agenten

(Bild: dpa, Franck Robichon)

In Bielefeld trifft sich in dieser Woche die International Conference on Human-Agent Interaction (HAI 2017). Was die Teilnehmer noch bis Freitag im Excellence Center of Cognitive Interaction Technology (CITEC) der Universität diskutieren, hat allerdings wenig mit James Bond oder Ethan Hunt zu tun. Worum es geht, sind Softwareagenten, also Computerprogramme, die in der Lage sind, eigenständig Ziele zu verfolgen und dafür mit ihrer Umgebung und anderen Agenten zu interagieren. Solche Agenten können Roboter sein, animierte Figuren auf dem Monitor, Chatbots oder auch intelligente Wohnungen. Es ist das Anliegen der HAI 2017, die ganze Vielfalt des Agenteneinsatzes abzubilden. Dazu zählt ausdrücklich auch die digital vermittelte Kommunikation zwischen Menschen.

Die beliebtesten Agenten sind aber eindeutig humanoide Roboter, mit denen die Forscher bevorzugt Anwenderstudien durchführen. Das stellten Omar Mubin und sein Forschungsteam von der Western Sydney University und der Uppsala University bei einer Analyse der bisherigen Beiträge zur Konferenz fest, die sich vor vier Jahren zum ersten Mal versammelte. Seitdem, so Mubin, dominierten Beiträge aus dem asiatisch-pazifischen Raum die Diskussionen.

Ein Nao-Roboter in der Interaktion mit Kindern

(Bild: 

being-there.org)

Auch nach Bielefeld sind auffallend viele Japaner gekommen. So stellte Haruka Kasuga (Hokkaido University) eine Studie vor, bei der untersucht wurde, wie ein Roboter die Beziehung von Menschen zu ihren Haustieren verändern kann. Dafür wurde der humanoide Roboter Nao so programmiert, dass er entweder positiv oder negativ zu den Tieren sprach. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Naos Haltung beeinflusst die Art und Weise, wie er von Menschen und Tieren (nach Einschätzung von deren Besitzern) wahrgenommen wird.

Viele der Vorträge sind Werkstattberichte, die Zwischenergebnisse aus laufenden Studien präsentieren. So berichtete Takahiro Tanaka (Nagoya University) von Experimenten mit einem digitalen Assistenten, der ältere Autofahrer unterstützen und dadurch die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen soll. Drei Varianten wurden verglichen: In der ersten war der Agent nur als Stimme präsent, die Warnungen und Hinweise gab. In der zweiten erschien er als Avatar auf einem Monitor, wo er die Hinweise mit Gesten unterstrich. Und schließlich gab es die dritte Variante, bei der ein kleiner, humanoider Roboter auf dem Armaturenbrett sitzt und den Fahrer mit Worten und Gesten auf Stoppschilder, parkende Autos und andere kritische Situationen hinweist.

Der Roboter habe sich am positivsten ausgewirkt, so Tanaka. Das gehe nicht nur aus den subjektiven Einschätzungen der Versuchsteilnehmer hervor, sondern auch aus der Erfassung ihrer Augenbewegungen. Wenn der Roboter vor ihnen saß, war der Blick am konzentriertesten nach vorne gerichtet und es gab die wenigsten Ablenkungen. Tanaka und seine Forscherkollegen vermuten, dass hier der "fellow passenger effect" zum Tragen komme, wonach Menschen vorsichtiger fahren, wenn sie einen Passagier im Auto haben. Das müsse aber noch genauer untersucht werden.

Ziemlich am Anfang stehen auch noch die Forschungen zur Mensch-Drohne-Interaktion, die insbesondere an der schwedischen Chalmers University of Technology betrieben werden. Alexander Yeh schilderte eine gemeinsam mit japanischen Forschern durchgeführte Studie, bei der untersucht wurde, wie nah Menschen einen fliegenden Roboter an sich heran lassen. Es zeigte sich, dass die Distanz, bei der sie sich noch wohl fühlten, umso geringer ausfiel, wenn die Drohne mit einem Gesicht ausgestattet war und die Menschen mit einer Stimme ansprechen konnte. Auch wenn sie von der Seite kam und in einer Höhe von 120 statt 180 Zentimetern flog, durfte sie näher kommen. Es zeigte sich auch, dass Versuchspersonen, die Erfahrungen mit Haustieren hatten, sich von einer Drohne weniger leicht verunsichern lassen als andere.

Wie sich gut und gerecht zusammenleben lässt, sodass alle zufrieden sind, ist schon unter Menschen eine seit Jahrtausenden diskutierte Frage. Und jetzt kommen auch noch künstliche Agenten hinzu – oder "highly automated robot ecologies" (HARE), wie Jacob W. Crandall (Brigham Young University) sagt. Die Frage, welche Macht regulierende Institutionen haben und wie viel Freiheit Robotern eingeräumt werden sollte, sei völlig offen, so Crandall.

Sein Forschungsteam sei bei der Simulation des Straßenverkehrs zu einem Ergebnis gekommen, das sie selbst überrascht habe: Um den Verkehrsfluss autonomer Fahrzeuge aufrechtzuerhalten, sollten die Mautgebühren für die am stärksten belasteten Straßen angehoben, andere gesenkt werden. Das funktionierte erstaunlicherweise am besten, wenn die Fahrzeuge mit eher wenig Autonomie ausgestattet waren und die zentrale regulierende Instanz nur über begrenzte Autorität verfügte. Ob sich hier ein Trend im Sinne von "weniger ist mehr" abzeichne, ließe sich noch nicht sagen, räumte Crandall ein. Er dürfte aber einige Neugier auf seine weiteren Forschungen geweckt haben. (Hans-Arthur Marsiske) / (kbe)

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