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HDCP-Kopierschutz ausgehebelt

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Hacker Adam Laurie hat in seinem Blog gezeigt, wie sich mit sehr einfacher Hardware und ein paar Zeilen Code der HDCP-Kopierschutz aushebeln lässt.

Mit einem simplen Kabeladapter konnte Adam Laurie dem HDMI-Datenstrom bei der Übertragung lauschen und so den HDCP-Key herausfiltern.

(Bild:  Blog Adam Laurie )

High-bandwidth Digital Content Protection, kurz HDCP, wird für die geschützte Übertragung von Audio- und Videosignalen über digitale Videoschnittstellen wie HDMI, DVI und DisplayPort eingesetzt. Das Verschlüsselungssystem soll verhindern, dass Filme innerhalb der Übertragungskette zwischen Zuspieler und Display abgegriffen und mitgeschnitten werden.

Ein dem HDCP-Kopierschutz zugrunde liegende Generalschlüssel wurde bereits 2010 bekannt. Seinerzeit gab sich HDCP-Entwickler Intel allerdings zuversichtlich, dass sich der Kopierschutz auch dann nur mit einer teuren Hardware und passenden Chips mit festverdrahtetem Schlüssel aushebeln ließe.

Doch dass ein solcher Chip keine allzu große Hürde darstellt, bewiesen nur ein Jahr später Forscher der Ruhr-Uni Bochum: Sie entwickelten eine Hardware-Lösung auf Basis eines FPGA-Boards mit programmierbaren Xilinx-Chips. Über einen Man-in-the-Middle-Angriff überwanden sie damit den HDCP-Kopierschutz an einer HDMI-Schnittstelle.

Das Besondere an der nun von Adam Laurie gezeigten Lösung ist jedoch, dass sich mit dem bekannten Master Key und sehr einfacher Hardware ohne besondere Chips gültige Schlüssel für beliebige Geräte erzeugen lassen.

Für handgemachte Filmkopien, um Blu-rays zu kopieren oder hochauflösendes TV-Programm mitzuschneiden, würden sich der dann unverschlüsselt zugängliche HDMI-Datenstrom zwar nicht empfehlen – hier gibt es andere Möglichkeiten, die zwar ebenfalls nicht legal, aber zumindest einfacher sind. Interessant wäre so ein Schlüsselgenerator jedoch für Mitschnitte an HDMI-Recordern, die bei HDCP-geschütztem Inhalt bisher nicht möglich sind.

Gleich zu Beginn der HDCP-Ära tauchten kleine Kästchen auf, mit denen HDMI-Signale an nicht-HDCP-konformen Geräten ausgegeben werden konnten.

Allerdings darf die von Laurie beschriebene Hardware hierzulande und in vielen anderen Ländern nicht verkauft werden. Andernfalls würde sie wohl das gleiche Schicksal ereilen wie die bereits vor geraumer Zeit aufgetauchten Kästchen, mit deren Hilfe sich der Kopierschutz für nicht-HDCP-konforme Geräte umgehen ließ. Diese gelangten nie offiziell in den Handel, weil der Hersteller damit gegen das Patent des HDCP-Administrators Digital Content Protection LLC verstoßen hatte und ziemlich sicher verklagt worden wäre.

Der neuerliche Hack macht deutlich, dass die Verschlüsselung per HDCP für ernsthafte Angriffe keine große Hürde darstellt. Sie richtet lediglich gesetzliche Hürden auf und stellt sicher, dass das "geschützte" Filmmaterial von der Masse der Zuschauer nicht kopiert wird. Wer sich dagegen ernsthaft mit dem Umgehen solcher Sperren beschäftigt, wird es mit der nun gezeigten Lösung noch einfacher haben. (uk)

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