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HDTV bei ARD und ZDF: Leichtathletik-WM wird im "falschen Format" produziert

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Als ZDF-Produktionsdirektor Dr. Andreas Bereczky der Presse vor einigen Wochen die letzten Details zum Start seines Senders ins Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens nannte, stand dabei das von den Öffentlich-Rechtlichen gewählte Ausstrahlungsformat 720p50 mit 1280 × 720 Bildpunkten im Mittelpunkt. Das HDTV-Format besitzt zwar eine geringere Auflösung als das von Sky Deutschland (bislang Premiere) und Anixe HD verwendete 1080i50 mit 1920 × 1080 Pixeln, punktet dafür aber dank der Ausstrahlung von 50 Voll- statt Halbbildern pro Sekunde mit einer flüssigeren Bewegungsdarstellung. Das gilt freilich nur, wenn das Quellmaterial auch mit 50 (PAL-Länder) beziehungsweise rund 60 (NTSC-Regionen) Vollbildern pro Sekunde produziert wurde – was beispielsweise bei Spielfilmen und den meisten Serien nicht der Fall ist.

Die für den derzeit laufenden Showcase gewählte Leichtathletik-WM in Berlin schien als 720p-Eigenproduktion der Öffentlich-Rechtlichen somit einen Idealfall darzustellen. Kein Wunder also, dass HDTV-Fans in enschlägigen Internetforen eifrig diskutierten, ob die 720p-Bilder von ARD und ZDF besser oder schlechter sind als die von Eurosport HD und BBC HD in 1080i ausgestrahlte WM-Bilder. Allerdings kamen mit zunehmender Sendedauer Zweifel auf, dass ARD und ZDF auch tatsächlich in 720p produzieren – zu Recht, wie die Nachfrage von heise online beim HD-Beauftragten des ZDF, Tobias Schwahn, zeigte: "Wie bei großen Veranstaltungen üblich" werde laut Schwahn in 1080i produziert, zumal das Material ja auch für die internationale Ausstrahlung bestimmt sei.

Dieser Weg birgt jedoch Nachteile: Die Detailauflösung ist bei statischen Bildern niedriger als bei einer 1080i-Ausstrahlung, während die Bewegungsdarstellung nicht so gut ist wie bei einer echten 720p-Produktion. Bezogen auf die Bewegungsdarstellung sieht 1080i-Quellmaterial aus dem Sportbereich nach der Konvertierung in 720p nach Ansicht von Tobias Schwahn allerdings sogar besser aus, als würde man es im nativen Format 1080i ausstrahlen. Immerhin setze in diesem Fall das ZDF mit seiner Profiausrüstung die zeitlich voneinander abweichenden Halbbilder vor der Ausstrahlung zusammen. Bei einer 1080i-Übertragung müsste hingegen der De-Interlacer im Fernseher (oder seltener im Receiver) ran – laut Schwahn mit sichtbar schlechterem Ergebnis. In den Niederlanden führten Zuschauerproteste gegen die Ausstrahlung der in 1080i produzierten Fußball-Europameisterschaft 2008 in 720p hingegen dazu, dass der dortige Broadcasters NPO bekanntgab, sein Programm auch im Halbbildformat 1080i statt nur im Vollbildformat 720p anzubieten.

Die Frage bleibt offen, bei welchen Sportübertragungen überhaupt noch eine Produktion in 720p in Frage kommt. Auf Nachfrage von heise online hatte Dr. Andreas Bereczky seinerzeit erklärt, dass das ZDF bei internationalen Sportveranstaltungen und Bundesliga-Übertragungen das Signal nehmen (und umwandeln) müsse, das eine zentrale Produktionsfirma zur Verfügung stellt. Und dabei handelt es sich in der Regel um 1080i, das weltweit weiter verbreitet ist. (nij)