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HP mit verhaltenem Ausblick

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Es ist eine der ersten Bewährungsproben für den frisch gebackenen HP-Chef Léo Apotheker: Weil der weltgrößte Computerkonzern Hewlett-Packard einen durchwachsenen Ausblick auf das restliche Geschäftsjahr gegeben hat, ist die Aktie am Dienstag nachbörslich eingebrochen. Zwischenzeitlich ging es um mehr als 12 Prozent nach unten. Binnen kürzester Zeit lösten sich damit fast 13 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung in Rauch auf.

Dabei sahen die Geschäftszahlen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus: Weil die Firmenkunden weiterhin Hardware, Software und IT-Services nachfragen, konnte HP in seinem ersten Geschäftsquartal den Umsatz um 4 Prozent auf 32,3 Milliarden Dollar hochschrauben. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 16 Prozent auf unterm Strich 2,6 Milliarden Dollar.

Doch die Börsianer störten sich daran, dass HP seine Umsatzerwartungen an das laufende Geschäftsjahr zurückgenommen hat. Statt bis zu 133,5 Milliarden Dollar erwartet das Unternehmen nun noch maximal 131,5 Milliarden Dollar. Und nichts fürchten die Investoren in der Computerbranche derzeit mehr als ein sich abkühlendes Geschäft. Nicht mal die angehobene Gewinnprognose konnte sie besänftigen.

Apotheker versuchte vergeblich, die aufgeregten Gemüter zu beschwichtigen. Er strich das blendend laufende Geschäft mit den leistungsstarken Firmenrechnern und den Speichersystemen heraus. Auch das Druckergeschäft laufe gut, sagte er. Er konnte dabei aber nicht vergessen machen, dass die Verkäufe von Desktop-Systemen im Quartal bereits zurückgegangen sind und auch die lukrativen IT-Services schwächelten.

HP steht wegen des Chefwechsels unter besonderer Beobachtung: Auf Mark Hurd, der das Unternehmen nach einer undurchsichtigen Affäre mit einer externen Mitarbeiterin im August verlassen musste, folgte der ehemalige SAP-Lenker Apotheker. Hurd hatte HP mit Kosteneinsparungen zu Milliardengewinnen getrieben und den Konzern durch Zukäufe zur Nummer eins der Branche gemacht. Apotheker hat die Kostenschraube nun wieder gelockert und stellt mehr Geld für Forschung und Entwicklung bereit.

Umsatz und Gewinnentwicklung
bei Hewlett-Packard in US-Dollar
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils Anfang November)
Quartal Umsatz Nettogewinn/
-verlust
3/02 16.530 Mio. –2.030 Mio.*
4/02 18.050 Mio. 390 Mio.
1/03 17.900 Mio. 721 Mio.
2/03 17.890 Mio. 659 Mio.
3/03 17.350 Mio. 297 Mio.
4/03 18.900 Mio. 862 Mio.
1/04 19.500 Mio. 936 Mio.
2/04 20.100 Mio. 884 Mio.
3/04 18.900 Mio. 586 Mio.
4/04 21.400 Mio. 1.100 Mio.
1/05 21.500 Mio. 943 Mio.
2/05 21.600 Mio. 966 Mio.
3/05 20.759 Mio. 73 Mio. **
4/05 22.913 Mio. 416 Mio.
1/06 22.659 Mio. 1.227 Mio.
2/06 22.554 Mio. 1.456 Mio.
3/06 21.890 Mio. 1.375 Mio.
4/06 24.555 Mio. 1.697 Mio.
1/07 25.082 Mio. 1.547 Mio.
2/07 25.500 Mio. 1.770 Mio.
3/07 25.377 Mio. 1.779 Mio.
4/07 28.293 Mio. 2.164 Mio.
1/08 28.467 Mio. 2.133 Mio.
2/08 28.262 Mio. 2.057 Mio.
3/08 28.032 Mio. 2.027 Mio.
4/08 33.603 Mio. 2.112 Mio.
1/09 28.800 Mio. 1.854 Mio.
2/09 27.351 Mio. 1.716 Mio.
3/09 27.451 Mio. 1.642 Mio.
4/09 30.777 Mio. 2.412 Mio.
1/10 31.177 Mio. 2.323 Mio.
2/10 30.849 Mio. 2.200 Mio.
3/10 30.729 Mio. 1.773 Mio.
4/10 33.278 Mio. 2.538 Mio.
1/11 32.302 Mio. 2.605 Mio
* Erstes Quartal nach der Fusion mit Compaq.
** Eingerechnet sind einmalige Steuerbelastungen von 988 Mio. US-Dollar.

(jk)