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HTC U12+: High-End-Smartphone mit Flip-Flop-Lack und durchsichtigem Gehäuse

Unter dem Motto "Hold, Tap, Squeeze" hat HTC sein neues Spitzen-Smartphone U12+ präsentiert. Der Slogan bezieht sich aufs Gehäuse, dessen Rahmen auf bestimmte Berührungen des Nutzers reagiert. Die restliche Hardware: High-End.

HTC U12+: High-End-Smartphone mit Flip-Flop-Lack und durchsichtigem Gehäuse

In Zeiten, in denen das Smartphone fast zu Ende entwickelt ist, entdeckt HTC das Gehäuse als Bedienelement und baut einen berührungsempfindlichen Rahmen ins neue Spitzenmodell U12+ ein. Den hatte zwar auch schon das Vorgängermodell U11, dort war die Edge Sense genannte Technik aber nur nettes Gimmick. Fürs U12+ hat HTC sowohl die dahinterstehende Software als auch die Hardware weiterentwickelt. Wegen letzterem werden die neuen Funktionen auch nicht per Update auf das ältere U11 kommen.

Der Gehäuserahmen des U12+ reagiert auf einen sanften doppelten Fingertipp. Das funktioniert auf beiden Seiten des Gehäuses und somit sowohl für Rechts- als auch Linkshänder. Von Werk aus startet die Edge Sense genannte Technik den sogenannten Edge Launcher, ein halbkreisförmiges Menü, das von der jeweiligen Seite in den Bildschirm gleitet und gleichzeitig den Kalender anzeigt. Das Kreismenü bietet Platz für 11 Verknüpfungen zu Apps oder Einstellungen. Welche das sind, kann der Nutzer selbst auswählen. Da sich der Edge Launcher als Overlay über den Bildschirminhalt legt, ist er auch startbar, wenn gerade eine App geöffnet ist. Diese läuft dann normal weiter, bis man den Launcher wieder schließt oder ein anderes Programm via Launcher startet.

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Prinzipiell kann man Edge Sense 2 mit allem belegen, was einen einfachen Fingertipp auf dem Bildschirm benötigt: Als Beispiel nannte HTC Bahn- oder Fluglinien-Apps, in denen man mithilfe des Doppeltipps direkt die aktuellen Tickets öffnet. Eine API ist nicht erforderlich und der Nutzer selbst kann die Funktion zuweisen. Wischgesten oder komplexere Bedienungsabläufe kann Edge Sense aber nicht abbilden.

Weitere nette Funktion von Edge Sense 2: Dreht man das Smartphone, greift aber nicht um, merkt das Smartphone dies und geht davon aus, dass die Neigung des Telefons unbeabsichtigt ist. Daraufhin sperrt es die Bildschirmausrichtung. Eine typische Situation, in der das nützlich sein könnte, ist wenn man das Smartphone im Liegen nutzt.

Am Gehäuse ist im Vergleich zu Smartphones ohne Edge Sense kein Unterschied zu sehen. Auch gibt der Rahmen nicht spürbar nach. Was technisch im Vergleich zum U11 verändert wurde, wollte der Hersteller nicht im Detail verraten.

Äußerlich fallen die drei verschiedenen Gehäusefarben angenehm aus dem Smartphone-Einheitsbrei: Am konservativsten erscheint die schwarze Variante, die dennoch durch einen leichten Chromeffekt auffällt. Der Rückendeckel der dunkelblauen Version ist etwas transparent und lässt Hardwarebauteile wie das Kameramodul und den Akku durchscheinen. Die rote Variante fällt am stärksten auf. Sie zeigt ebenfalls einen stark spiegelnden Chromeffekt und verhält sich ähnlich wie Flip-Flop-Lack. Je nach Lichteinfall wirkt die Farbe eher pink und hat einen deutlichen Gelbschimmer.

Eines haben alle drei Farbvarianten gemeinsam: Fingerabdrücke fallen sofort auf. Die Glasrückseiten unserer Testgeräte waren bereits nach wenigen Minuten übersät davon und mussten immer wieder poliert werden. Wasser und Staub kann den Geräten nichts anhaben, da die Gehäuse nach Schutzart IP68 geschützt sind.

Bis auf den Touchscreen befinden sich keine Bedienelemente auf der Vorderseite des U12+. Der Fingerabdrucksensor sitzt auf der Rückseite. Entsperrknopf und Lautstärketasten findet man an der Gehäuseflanke. Allerdings handelt es sich um keine echten Tasten mit Hub, sondern eigentlich nur um herausstehende Sensortasten, die auf leichten Druck reagieren. Drückt man stark genug, bestätigen sie den Fingerdruck mit haptischem Feedback – eine knackige Vibration.

Im Hands-on kam uns die Kraft überraschend hoch vor, mit der man auf die Knöpfe drücken musste. Das haptische Feedback ist mit dem des iPhone 7 oder 8 zu vergleichen, wenn man dort auf den druckempfindlichen Homebutton drückt – also klar definiert und deutlich.

Hands-on: HTC U12+

Darüber, ob der Fingerabdrucksensor auf der Gehäuserückseite geschickt platziert ist, kann man streiten. Immerhin kann man das Gerät auf diese Art nicht entsperren, wenn es liegt. Alternativ lässt sich das U12+ auch mit dem Gesicht entsperren. Dafür nutzt das Smartphone beide Frontkameras und fertigt ein 3D-Bild des Nutzergesichts an.

HTC hält diese Methode für sicherer, als wenn nur ein zweidimensionales Bild einer einzelnen Kamera genutzt wird – wie bei den meisten Android-Konkurrenten. Allerdings sei der Fingerabdruck weiterhin die sichere Entsperrmethode. Ist die Umgebung zu dunkel, um ein Bild aufzunehmen, schaltet das U12+ das Display zur Beleuchtung ein. Testen konnten wir die Gesichtsentsperrung noch nicht.

Sowohl an Front als auch auf der Rückseite hat das U12+ zwei Kameras. Hinten arbeitet eine 12-Megapixel-Kamera mit einer Brennweite von 25 mm (Kleinbild-Äquivalent), einer Sensorpixelgröße von 1,4 μm und einer maximalen Blende von f/1.75. Die Weitwinkelkamera ist als einzige mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Sie ergänzt eine Telekamera mit 16 Megapixel, 50 mm Brennweite, 1 μm großen Pixeln und f/2.6. Einerseits sollen sich dadurch die Zoom-Fähigkeiten verbessern, andererseits lässt sich durch die Kombination beider Kamerabilder ein künstlicher Bokeh-Effekt erzeugen.

Im ersten Test funktionierte das ähnlich gut wie bei anderen High-End-Smartphones: Auf den ersten Blick ähnelt die Tiefenunschärfe einem echten optisch erzeugten Bokeh. Erst wenn man den Bildausschnitt vergrößert, sieht man, dass Details wie Haare gelegentlich fälschlicherweise scharf oder unscharf gestellt wurden. Die Intensität des in Echtzeit ins Bild gerechneten Effekts lässt sich auch im Nachhinein einstellen.

Dass auch an der Gerätevorderseite zwei zusammenarbeitende Kameras sitzen, ist bislang noch eine Besonderheit des U12+. Es sind zwei baugleiche 8-Megapixel-Kameras (1,12 μm, f/2.0) mit einem Blickwinkel von 84 Grad. Hier dient die zweite Kamera tatsächlich nur dazu, ein schöneres Bokeh zu erzeugen.

Bei Videoaufnahmen (max. 4K bei 60 fps) soll die Tonqualität dank der vier eingebauten Mikrofone gesteigert worden sein. Zooms kann das U12+ automatisch auf Knopfdruck ausführen, damit sie gleichmäßiger ausfallen. Tippt man auf die entsprechende Schaltfläche, zoomen die Kameras automatisch vierfach rein oder raus.

Auch die "Sonic Zoom" genannte Funktion des Vorgängermodells ist wieder an Bord. Sie soll dabei helfen bei Videoaufnahmen nicht ungewollt zu viele der Umgebungsgeräusche aufzunehmen. Stattdessen kann man beispielsweise gezielt den Ton eines Gesprächs in lauter Umgebung aufnehmen.

Bei der restlichen Ausstattung bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt: Das 6 Zoll große LCD zeigt eine Auflösung von 2880 × 1440 und wirkte zumindest auf den ersten Blick kontraststark und farbkräftig. Zur maximalen Helligkeit äußerte sich der Hersteller noch nicht.

Als Prozessor kommt mit dem Qualcomm Snapdragon 845 einer der schnellsten Mobilprozessoren zum Einsatz. Er hat acht Kerne und ist mit 2,8 GHz getaktet. In Benchmarks beeindruckte der SoC besonders mit seiner Grafikleistung. An Arbeitsspeicher stehen ihm 6 GByte zur Verfügung. Der interne Flash-Speicher wird hierzulande voraussichtlich 64 GByte betragen, wobei es prinzipiell auch Versionen des U12+ mit 128 GByte gibt. Ergänzen lässt sich der Speicher mit einer MicroSD-Karte. Wobei man dann keine zweite SIM-Karte mehr nutzen kann. Der Akku fasst 3500 mAh und kann via Quick Charge 3.0 schnell geladen werden.

Außer mit LTE Cat. 18 funkt das U12+ per WLAN nach 802.11 a/b/g/n/ac mit MU-MIMO. Da es auch Bluetooth 5.0 unterstützt, lässt sich Ton auch über zwei Lautsprecher oder Kopfhörer gleichzeitig abspielen.

Android wird in Version 8.0 installiert sein und nur leicht nach HTCs Geschmack angepasst.

HTC gibt für das U12+ eine Preisempfehlung von 799 Euro, was angesichts der Ausstattung angemessen wirkt. Allerdings sind einige Konkurrenzmodelle schon länger auf dem Markt und teils unter die 600-Euro-Grenze gefallen. Erfahrungsgemäß fallen die Preise der HTC-Geräte nicht so deutlich wie bei einigen anderen Herstellern . Zu kaufen geben, soll es das HTC U12+ ab Mitte Juni.

Ein U12 oder U12 Lite wird es laut Hersteller nicht geben. Der Name des U12+ soll dem Kunden versichern, dass es diese Saison kein besseres oder größeres HTC-Modell mehr geben wird und man deswegen wohl zugreifen kann. (hcz)

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