Menü

HTC Vive: Per VR-Headset auf den Mount Everest

Virtual Reality ist nicht nur zum Spielen da. Das zeigten die isländischen Sólvar Studios und Hardware-Hersteller Nvidia auf der VRX Conference 2015 mit dem Projekt Everest VR: Mit einem HTC-Vive-Headset geht es darin auf den höchsten Berg der Welt.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge

(Bild: Sólvar Studios/RVX)

Von

Everest VR startet ganz harmlos: Wie auf einer Kinoleinwand zeigen die isländischen Entwickler der Sólvar Studios einen Trailer mit schwarzen Rändern an den Seiten, der auf die Tour zum Mount Everest einstimmt. Doch dann wird einem buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen: Das Blickfeld des HTC-Vive-Headsets weitet sich komplett auf und gibt einen 360-Grad-Blick auf das Himalayagebirge frei, auf den der Wohnzimmerabenteurer in schwindelnder Höhe zufliegt.

Wer jetzt schon leicht mulmig Höhenangst verspürt, für den ist die nächste Etappe nichts. Eine waagerechte Metalleiter bildet die Brücke über eine mächtig tiefe Gletscherspalte, die es zu überqueren gilt. Selbst nach zahlreichen VR-Demos ist das ein mulmiges Unterfangen, für das man etwas Mut sammeln muss.

Die virtuelle Bergtour (5 Bilder)

Everest VR erlaubt den Besuch des höchsten Berges der Welt - und das ohne Frostbeulen oder abgefrorene Finger und Zehen. Schwindelfrei sollte man dennoch sein.
(Bild: Sólvar Studios/RVX)

Die virtuellen Seilschaftsmitglieder deuten nun auf eine Leiter, die an einer etwa 20 Meter hohen Eiswand befestigt ist. Richtig, die will erklommen werden. Mit den Vive-Controllern greifen die Hände abwechselnd nach deren Sprossen. Die Kamera schwenkt dazu passend ebenfalls Stück für Stück nach oben. Dass die Füße dabei nichts zu tun haben, registriert das Gehirn interessanterweise nicht. Denn neben der qualitativ hochwertigen Darstellung der Eislandschaft jault einem der Wind direktional korrekt in die Ohren.

Endlich oben angekommen ermuntert ein Nvidia-Mitarbeiter per Kopfhörer, doch etwas näher an den gerade bewältigten Hang zu treten und nach unten auf die Kletterkollegen zu schauen. Doch einmal mehr spielt das Gehirn nicht ganz mit: Wir wagen uns nicht ganz an den Rand, besorgt, das Eis könnte unter den Füßen wegbrechen. Im dritten und letzten Teil der Demo geht es fast bis auf den Gipfel des Mount Everest. Die Controller dienen nun als zoombare Lupen, mit denen sich die Umgebung auf Tastendruck detailliert betrachten lässt. Unter uns breiten sich Nepal und Tibet aus, nebenan reckt sich ein Nachbargipfel in die Höhe, während sich im Camp 4 ameisengroße Menschen in nicht viel größeren Zelten auf den Aufstieg vorbereiten.

Die Demo läuft derzeit auf einer Titan-X-Grafikkarte, für die man tief in den Geldbeutel greifen muss. Doch Tony Tamasi, Senior Vice President Content & Technology bei Nvidia, ist davon überzeugt: VR-fähige Grafikkarten werden schon in fünf Jahren für nur noch 99 Dollar zu haben sein. Everest VR setzt auf die Unreal Engine 4 mit Nvidias Gameworks-VR-Bibliotheken und läuft somit auch auf Plattformen wie Oculus und PlayStation VR.

Bei der Entwicklung des VR-Abenteuers, das sechs Kapitel und interaktive Elemente wie die Lupenschau enthalten soll, arbeiteten die Sólvar Studios mit dem ebenfalls isländischen Effekthaus RVX zusammen. RVX zog es nach der Arbeit an "Gravity" ebenfalls ins Himalayagebirge: Die Effektspezialisten setzten den Berg für den diesjährigen Kinofilm "Everest" aus über 300.000 hochauflösenden Fotos zusammen. Das leinwandfüllende Modell skalieren die Sólvar Studios, bei denen zahlreiche Designer von CCP Games ("EVE Online") arbeiten, für Everest VR entsprechend herab - sonst käme selbst eine Titan X ins Schwitzen.

Durch das intelligente Rundum-Tracking-System des HTC Vive erzeugt Everest VR ein schier unglaubliches Mittendrin-Gefühl. Das Umdrehen und Laufen in beliebige Richtungen schaffen die Systeme von Oculus und Sony nicht, da dort das Headset nur aus einer Richtung erfasst wird.

Auch das Gitter, das behutsam auf dem Display erscheint, wenn wir uns an den Rand des etwa fünf mal fünf Meter großen VR-Bereichs begeben, stört die Illusion so gut wie nicht. Und dass Everest VR kein klassisches Spiel ist, macht überhaupt nichts. Im Gegenteil: Gerade mit solchen Erfahrungen werden die VR-Headsets ab dem nächsten Jahr selbst die größten Spielemuffel in wenigen Minuten von ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten überzeugen - und im kommenden Jahr zu einer Tour des Mount Everest einladen. (axk)