Hackerangriffe: Team von Macron wehrte sich mit gefälschten Dokumenten

Ab Dezember 2016 bekam das Team von Emmanuel Macron sehr gut gemachte Phishing-Mails, mit denen Hacker offenbar an Zugangsdaten gelangen wollten. Die bekamen sie auch, nur waren die Accounts gefälscht. Die Form der Gegenwehr erwies sich als effektiv.

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Wahlplakate für Emmanuel Macron

(Bild: Lorie Shaull, CC BY-SA 2.0 )

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Der neue französische Präsident Emmanuel Macron und sein Team waren auf die Hackerangriffe vor der Wahl vorbereitet und haben die Angreifer mit gefälschten Dokumenten verwirrt. Das berichtet die New York Times und ein Sprecher von Macrons Partei "En Marche!" bestätigte dies gegenüber der dpa. Demnach bekam das Wahlkampfteam seit vergangenen Dezember Phishing-Mails. Damals hatte sich Macron als der russland-kritischste sowie NATO- und europafreundlichste unter den Präsidentschaftskandidaten positioniert. Mit den äußerst gut gemacht Mails versuchten demnach mutmaßlich russische Hacker, an Login-Informationen von Wahlkampfmitarbeitern zu gelangen.

Weil man gewusst habe, dass man keinen hundertprozentigen Schutz gegen die Angriffe bieten könne, sei man in die Offensive gegangen, erklärte Mounir Mahjoubi, der dafür verantwortliche im Team, der US-Zeitung. Man habe deswegen in großem Umfang falsche Accounts angelegt und Fake-E-Mails präpariert, um damit die Angreifer zu verwirren. So habe man deren Arbeit verlangsamen können, weil die Hacker zum Beispiel erst verifizieren mussten, ob sie überhaupt echte Accounts erbeutet hatten. Auch wenn es für die Jagd nach den Angreifern keine Ressourcen gegeben habe, so hat das Team doch einen Verdacht und dafür auch einige Anhaltspunkte, nicht erst seit der Veröffentlichung von erbeuteten Dokumenten wenige Stunden vor Beginn der Wahl.

Parallel zu den Phishing-Angriffen sei Macron und sein Wahlkampf von russischen Medien angegriffen worden, die dafür auch nicht vor erfunden Nachrichten zurückgeschreckt seien. Schließlich entdeckten auch Sicherheitsforscher in den kurz vor der Wahl veröffentlichten Dokumenten jede Menge Hinweise, die nach Moskau zeigten. Während russische Hacker aber sonst dadurch aufgefallen seien, dass sie nicht nachlässig sind, hätten sie diesmal offenbar unter Zeitdruck jede Menge Fehler gemacht. Das schließlich veröffentlichte Material enthüllte dann auch nicht den angekündigten Skandal. Stattdessen seien vor allem E-Mails gewesen, die das normale Funktionieren eines Wahlkampfs beleuchteten und einige Fälschungen.

Bereits seit Monaten wird über angeblich aus Russland ausgeführte Hackerangriffe diskutiert, mit denen die Angreifer offenbar Einfluss auf westliche Politik nehmen wollen. Macron hatte Moskau schon im Februar beschuldigt und der Außenminister Ayrault hatte ihm zugestimmt. Beweise hatten beide aber nicht vorgelegt. Und auch jetzt gibt es keine Beweise dafür, dass tatsächlich staatlich gesteuerte Hacker hinter den Angriffen stecken. Zwar mehren sich mit jeder Enthüllung die Indizien, die nach Russland weisen, aber Kritiker dieser Zuschreibung weisen darauf hin, dass die auch genau mit dem Ziel gelegt worden sein könnten, Russland ins Fadenkreuz zu schieben. (mho)