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Häftlinge helfen bei Trainingsdaten für KI

Das finnische Start-up Vainu lässt Gefängnis-Insassen finnische Texte über Unternehmen indizieren. Das soll einen Maschinenlern-Algorithmus verbessern.

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(Bild: LR-PHOTO / shutterstock.com)

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Das Unternehmen Vainu betreibt eine digitale Geschäftspartner-Vermittlung und verfügt dafür über eine weltweite Unternehmensdatenbank mit mehr als 108 Millionen Profilen. Sie soll per KI kontinuierlich gepflegt und ausgebaut werden. Die Vorarbeit dafür leisten Helfer, die in Helsinki und Turku hinter Gittern sitzen, berichtet Technology Review (Juni-Ausgabe im heise shop und im Handel erhältlich).

Damit der Computer weiß, was er tun muss, gehen Häftlinge massenhaft finnische Texte über Unternehmen aus dem Internet durch und indizieren sie: Handelt es sich im Text bei dem Wort "Apple" um das Unternehmen oder die Frucht? Sie beantworten dazu auch Fragen wie "Geht es in diesem Artikel um eine Geschäftsübernahme?". Mit den klassifizierten Daten wird dann der Algorithmus gefüttert.

TR 6/2019

Technology Review Juni 2019

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Vainu-Geschäftsführer Tuomas Rasila kam nach eigenen Angaben zufällig auf die Idee, diese Arbeit in Gefängnisse auszulagern. Zuerst hatte er bei Amazons Auftragsvermittlungsplattform Mechanical Turk versucht, Helfer für die Textanalysen zu rekrutieren. Doch das half nur bei englischen Texten, denn hier suchen hauptsächlich Menschen aus den USA nach Jobaufträgen. Auf der Suche nach finnischsprachiger Unterstützung fiel ihm auf, dass im selben Bürogebäude, in dem Vainu seinen Geschäftssitz hat, auch die finnische Gefängnisbehörde sitzt.

Die zeigte sich offen für die Idee, knapp 100 Häftlinge für diese Aufgabe auszuwählen, und wirbt inzwischen damit, dass die Kooperation für die Gefängnisinsassen eine Möglichkeit zur Weiterbildung sei. Das Arrangement sei zudem auch deshalb attraktiv für die Behörde, weil das Risiko gering sei, dass die Häftlinge bei der Arbeit gewalttätig werden. Computer lassen sich nicht so leicht zu Waffen umbauen.

Kritiker der Kooperation werfen Vainu allerdings vor, die Häftlinge auszubeuten. Das Unternehmen gibt zwar an, dass die Gefängnisse den Verdienst festgelegt hätten und dieser ähnlich ausfiele wie bei Mechanical Turk. Dort liegen die Honorare im Schnitt jedoch bei gerade einmal zwei Dollar pro Stunde. Sarah Roberts von der University of California, die Informationsarbeit erforscht, bezweifelte zudem gegenüber dem Online-Nachrichtendienst "The Verge", dass die Häftlinge nützliche Fähigkeiten durch die Textverarbeitung erwerben. "Die Aufgaben sind reine Routine, sehr einfach und immer dasselbe."

Diesen und weitere spannende Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe von Technology Review (versandkostenfrei bis 30.5.2019 im heise shop bestellbar und im Handel erhältlich).

(jle)