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Technology Review

Halb Mensch, halb Schwein: Streit um Chimären

Eine Gruppe von US-amerikanischen Wissenschaftlern arbeitet an umstrittenen Chimären, bei denen menschliche Organe in Tieren heranreifen sollen.

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So ethisch umstritten es sein mag: Die Befürworter von "Chimären" (Mischwesen aus mehreren verschiedenen Lebewesen) hoffen, in Tieren irgendwann elegant Ersatzorgane aus menschlichem Gewebe heranzüchten zu können. Kritiker sorgen sich jedoch, damit werde die Grenze zwischen den Spezies verwischt, berichtet Technology Review in seiner Mai-Ausgabe (ab Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar) im Beitrag "Streit um Mischwesen".

In einer völligen Abkehr von ihrer bisherigen Politik hat sich nun auch die oberste US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) auf die Seite der Kritiker geschlagen. Im vergangenen September beschloss sie, vorerst keine solchen Studien zu fördern. Die NIH sorgen sich um den "kognitiven Status" der Chimären, sollten sie menschliche Hirnzellen entwickeln. Sie wollen nun erst die sozialen und ethischen Fragen genauer untersuchen.

Möglich werden die Experimente durch die jüngsten Durchbrüche beim Editieren von Genen. Damit erschaffen die Wissenschaftler Embryos, die bestimmte Gewebearten nicht erzeugen können. In diese Bresche springen dann menschliche Stammzellen. Sie werden in wenige Tage alte Tier-Embryos eingeführt und dann einem Muttertier eingepflanzt. Bei dieser "Embryo-Komplementierung" können menschliche Zellen sich vervielfältigen, spezialisieren und sich potenziell zu beliebigen Organen entwickeln. Andere Arten menschlicher Chimären werden in der Forschung zwar schon lange benutzt, etwa Mäuse mit menschlichem Immunsystem. Bei ihnen aber werden die menschlichen Zellen erst nach der Geburt eingefügt.

Doch bis es so weit ist, müssen die Forscher noch nachweisen, dass Humanzellen im Körper von Farmtieren tatsächlich entsprechend gedeihen. Das ist nicht ganz trivial, denn anders als bei den genetisch recht ähnlichen Ratten und Mäusen lebte der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schwein vor fast 90 Millionen Jahren.

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(bsc)