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Hamburger Dialog: Bezahl-Inhalte im Internet ohne Erfolg

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Viele interessante Debatten -- aber wenig konkrete Lösungsansätze, das ist die Bilanz des vierten Hamburger Dialogs, der am Mittwoch zu Ende ging. Nach Veranstalterangaben kamen an den zwei Kongresstagen mehr als 1.000 Vertreter aus Medien und Unternehmen zusammen, um unter dem Motto "Synchronize" über Konzepte in der Medienwirtschaft zu diskutieren. Abgerundet wurde das Programm mit Auftritten von Hubert Burda (Verleger) und Herbert Kloiber (Geschäftsführer TeleMünchen-Gruppe).

Seitdem klar ist, dass Internet-Inhalte kaum nur aus Werbe-Einnahmen finanziert werden können, suchen die Online-Inhalte-Anbieter nach anderen Finanzierungsmöglichkeit. Annette Milz, Chefredakteurin des Medium Magazins, eröffnete eine Diskussionsrunde zu dem Thema mit einem Zitat von Thomas Holtropp, dem T-Online-Chef: Die größte Sünde sei es gewesen, überhaupt jemals kostenlose Inhalte ins World Wide Web zu stellen. Nun müsse der Internet-Nutzer umerzogen werden.

Ein keineswegs einfaches Unterfangen, wie die Chefin des Marktforschungsunternehmens Fittkau und Maaß, Susanne Fittkau, bei der Vorstellung aktueller Ergebnisse ihrer W3B-Studie klar machte. Seit 1997 beschäftige sich ihre Firma mit der Frage nach Bezahl-Inhalten im Internet. "Die Rahmenbedingungen haben sich seither geändert. Heute gibt es viel mehr Internet-Nutzer, die mit mehr Bandbreite surfen. Aber eine Veränderung der Einnahme-Konzepte zugunsten von Bezahl-Inhalten muss nicht zwangsläufig zu mehr Einnahmen führen." Fittkau warnte vor einer Beschädigung der Marke durch eine Zersplitterung des Online-Angebots in Free- und Premium-Content.

Wolfgang Harrer, US-Korrespondent der Tageszeitung Die Welt, berichtete von den erfolglosen Versuchen einiger US-Lokalzeitungen, ihr kostenloses Angebot auf Gebühren umzustellen. Die Konsequenz: Bis zu 70 Prozent der bisherigen Leser kehrten den Online-Angeboten den Rücken. Online-News sind nach Harrers Meinung in Deutschland kein Produkt für erfolgreiche Bezahl-Angebote, solange die ARD im Internet Nachrichten verbreite, für die sie gar keine weitere Gebühr verlangen dürfe. Erfolgreich sei in den USA hingegen das Bundle-Abo für Streaming-Inhalte, das Real Networks biete. Ein anderes Konzept probieren die Norweger zurzeit aus: Dort haben sich die Inhalte-Anbieter zusammengeschlossen und verlangen für die Content-Bereitstellung direkt von den Internet-Providern eine Gebühr. In der Europäischen Union dürfte so ein Versuch allerdings an den Kartellrichtlinien scheitern.

Ernüchternd auch die Bilanz bei Spiegel Online. Seit Februar sind hier bestimmte Inhalte kostenpflichtig. Nicht einmal 500 Leser nutzen jeden Samstag die Möglichkeit, die Spiegel-Titelgeschichte gegen Cash vorab im Netz lesen zu können, berichtete Spiegel-Online-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron. Dementsprechend vorsichtig setzt er auch die Perspektiven für "Cash for Content" auf seiner Website an. In anderthalb Jahren sollen auf diesem Weg rund zehn Prozent der Einnahmen gemacht werden.

Einziger Hoffnungsschimmer für die Inhalte-Anbieter: Der Anteil der Surfer steige, die generell bereit sind, für Inhalte Geld zu bezahlen, so Susanne Fittkau. "Das ist eine Konsequenz aus der öffentlichen Debatte, die wir zu dem Thema führen." (tol)