Handelskrieg: TSMC stellt wohl Handelsbeziehungen zu Huawei ein

Huaweis Tochterunternehmen HiSilicon soll bald schon keine Smartphone- und Server-Prozessoren mehr vom fortschrittlichsten Chipauftragsfertiger TSMC erhalten.

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(Bild: Patrick Bellmer / heise online)

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Als Folge der neuen US-amerikanischen Handelsrestriktionen gegenüber China und speziell Huawei darf der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC offenbar bald keine Prozessoren mehr für die Huawei-Tochter HiSilicon produzieren. Einem Medienbericht zufolge erhält Huawei nur noch die bisher bestellten Systems-on-Chip (SoCs), darf aber keine neuen mehr in Auftrag geben. Im Ernstfall könnte Huawei in einigen Monaten womöglich keine High-End-Smartphones mehr verkaufen.

Über TSMCs Verkaufsstopp gegenüber Huawei berichtet die Webseite Nikkei Asian Review, die zuletzt schon bei den Plänen einer US-amerikanischen TSMC-Produktionsstätte recht behielt. Huawei selbst gab in einer Mitteilung bisher nur bekannt, dass man die Handelsrestriktionen anfechten will, aber das „Geschäft unweigerlich betroffen sein wird“. Der internationale Eingriff der USA in die Chipproduktion breche das Vertrauen in die komplette Industrie und habe weltweite Auswirkungen.

TSMCs Chipproduktion fällt unter die neue US-Gesetzeslage, weil die Taiwaner beispielsweise Belichtungsmaschinen unter anderem von den beiden US-Firmen Applied Materials, KLA Corp und Lam Research beziehen. Branchenprimus ASML aus den Niederlanden hat zudem eine Handvoll Geschäftsstellen in den USA, sodass dessen Patente zumindest teilweise als US-amerikanisches Gedankengut gelten könnten. Von ASML stammen alle aktuellen EUV-Belichtungsmaschinen mit extrem-ultraviolettem Spektrum, die für Fertigungsprozesse ab 7 nm+ und 5 nm notwendig sind.

Ein Verkaufsstopp wäre derweil nicht nur für Huawei ein Schlag ins Gesicht: Die Chinesen stellen nach Apple TSMCs zweitgrößten Kunden mit einem Umsatzanteil von über 20 Prozent dar. Huawei gehörte die letzten Jahre zu den Frühabnehmern neuer Fertigungsprozesse und half entsprechend bei deren Optimierung – PC-Chiphersteller wie AMD oder Nvidia gehören mit größeren Siliziumchips stets zur zweiten Welle der Abnehmer.

Huaweis zuletzt vorgestellter Smartphone-Prozessor heißt HiSilicon Kirin 990 5G, läuft bei TSMC im Prozess N7+ (7 nm mit EUV-Belichtung) vom Band und sitzt im Mate 30 Pro. Samsung käme für solche High-End-SoCs als einzige Alternative zur Chipfertigung infrage, allerdings lassen sich Designs nicht kurzfristig auf andere Prozesse portieren. Zudem arbeitet Samsung mit denselben Partnern wie TSMC zusammen, würde also ebenfalls unter die US-amerikanischen Handelsrestriktionen fallen.

In der Mittelklasse kann Huawei auf den chinesischen Anbieter Semiconductor Manufacturing International Corp (SMIC) umschwenken, der aktuell allerdings nur einen 14-nm-Prozess anbietet und deutlich geringere Kapazitäten hat als TSMC. Laut der chinesischen Global Times lässt Huawei bisher den Kirin 710A als Testballon bei SMIC produzieren.

Im Server-Geschäft expandierte Huawei zuletzt mit seinen ARM-Prozessoren der Kunpeng-Serie. Als Nächstes sollte 2021 der Kunpeng 930 mit DDR5-Speichercontroller erscheinen – die Veröffentlichung steht nun erst einmal in der Schwebe. (mma)