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Handprothese mit 3D-Drucker und Arduino-Board

Der Franzose Nicolas Huchet hat sich seine eigene Prothese konstruiert und nutzte dafür Open-Source-Hard- und Software. Mit der Weiterentwicklung seines kostengünstigen Prototyps will er die Bewegungsabläufe verfeinern.

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(Bild: Nicolas Huchet)

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Ein Arbeitsunfall an einer hydraulischen Presse veränderte 2002 das Leben von Nicolas Huchet für immer. Der 18-jährige Franzose verlor eine Hand und musste fortan mit einer Prothese leben. Zwar war sie elektronisch gesteuert, aber weit von dem entfernt, was in Science-Fiction-Filmen zu sehen war. „Dort kommen immer Menschen mit unglaublichen künstlichen Roboterhänden vor. Ich fragte mich, warum ich so etwas nicht hatte“, erzählt Huchet in der neuen Ausgabe der Technology Review (ab heute am Kiosk zu kaufen oder online bestellbar).

Zehn Jahre musste Nicolas Huchet warten, bis endlich neuere, bessere Modelle auf den Markt kamen. Doch die konnte er sich beim besten Willen nicht leisten. Eine Touch-Bionics-Prothese, die alle fünf Finger bewegt und mehrere Griffe beherrscht, kostet bis zu 70.000 Euro. Die französischen Krankenversicherungen erstatteten ihm aber nur die Kosten für eine einfachere myoelektrische Prothese von Otto Bock, die lediglich den Zwei-Finger-Griff beherrscht. Seit Kurzem zahlen sie zwar auch die Hightech-Variante. Aber da hatte Huchet sich schon vorgenommen, sie billiger zu konstruieren.

Durch Zufall war er 2012 bei einer FabLab-Erfindermesse im französischen Rennes auf die Maker-Kultur aufmerksam geworden. Fortan bewegte ihn nur eine Idee: Eine eigene, günstige Prothese mit 3D-Druckern zu konstruieren. Gesagt, getan: Er druckte eine Hand und bat Informatiker des FabLabs um Hilfe. Diese entwickelten mit Open-Source-Hardware die Elektronik. „Dieser erste funktionierende Prototyp war für mich so etwas wie eine kleine Revolution. Es war möglich, die Ungleichbehandlung im Gesundheitssystem zu überwinden, und das dank der Technik und der Hilfe von Menschen über das Internet“, erinnert sich Huchet.

Heute trägt der junge Mann eine Weiterentwicklung jener ersten Hand. Die Prothese misst mit Elektroden den Impuls einzelner Muskeln beim Anspannen und leitet sie an ein Arduino-Board weiter. Dieser Open-Source-Minicomputer setzt die Impulse in Greifbewegungen um. „Allerdings ist sie noch zu fragil für den täglichen Gebrauch“, gibt Huchet zu.

Im nächsten Schritt will er sie nicht nur robuster machen, sondern auch ihre Bewegungsabläufe verfeinern, um sie mit mehr Funktionen auszustatten. Neben der Greifbewegung soll die Hand künftig auch zur Faust geballt werden, mit einem Finger auf etwas zeigen oder auf einen Knopf drücken können. Damit wäre Huchets Prothese in der Lage, ähnlich komplexe Bewegungsabläufe auszuführen wie die Spitzenprodukte am Markt – zu einem Bruchteil der Kosten. Der zweite Prototyp hat etwa 700 Euro gekostet, hergestellt hat ihn die englische Firma Open Bionics. „Jetzt brauche ich mehr Sensoren und mehr Motoren. Dadurch wird die Prothese schwerer. Bei herkömmlichen Materialien wird sie dann irgendwann zu schwer. Ich benutze deshalb einen leichten Kunststoff aus dem 3D-Drucker“, erklärt der junge Franzose.

(jle)