Menü
Update

Hands-on: Günstige Infrarotkamera mit Wechseloptik

Flir hat mit der One vorgelegt, die israelische Firma Opgal zieht mit der Therm-App nach: Die per Android-App steuerbare Wärmebildkamera löst 23 mal höher auf, kommt mit Wechselobjektiven und ist aktuell für 1000 US-Dollar zu haben.

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 52 Beiträge

Bei Opgals Infrarot-Kamera Therm-App ist der Name Programm: Die handliche Wärmebildkamera wird per Android-App am Mobilgerät bedient. Der Kamerabody aus schwarz eloxiertem Alugehäuse wirkt deutlich wertiger und vor allem robuster als bei der günstigen IR-Kamera Flir One. Man kann ihn ähnlich wie Sonys Objektivkameras mit einem Klemmhalter am Smartphone befestigen und/ mit dem mitgelieferten Haltegriff sicher halten.

Sämtliche Einstellungen und die Bedienung erfolgen über die gleichnamige Therm-App am Smartphone, am Mobildisplay erscheinen nach dem Auslösen sofort die im Wärmebild-Modus ermittelten Temperaturdaten. Außerdem kann man die Therm-App auch als Nachtsichtgerät verwenden.

Weil der recht große Sensor 384 × 288 Pixel auflöst, musste Opgal keine zusätzliche Fotokamera einbauen, um die Umgebung abzubilden. Bei der Flir One wird das mit nur 80 × 60 Pixeln aufgenommene Wärmebild mit einem herkömmlichen Foto überlagert. Die 23 mal höhere Auflösung der Therm-App reicht dagegen, um Wärmequellen eindeutig den jeweils aufgenommene Objekten zuzuordnen. Trotzdem will Opgal nach eigenen Angaben künftig zusätzlich auch die Kamera im Smartphone nutzen, um gleichzeitig mit der IR-Aufnahme ein herkömmliches Digitalbild zu schießen.

Gegenüber der preiswerten Flir One für 350 Dollar scheint die Therm-App für 1000 Dollar ziemlich teuer. Allerdings kosten IR-Kameras mit vergleichbarer Auflösung schon mal das Zehnfache.

Das Objektiv der Therm-Kamera lässt sich mit wenigen Handgriffen auswechseln, Opgal bietet ein weitwinkliges Objektiv mit einen Sichtfeld von 55° × 41° für große Objekte und ein 19-mm-Objektiv mit 19° × 14° für Teleaufnahmen an. Das Objektiv mit 19 Millimeter Festbrennweite gehört zum Lieferumfang, das 6,8-mm-Objektiv kann man für 190 US-Dollar dazukaufen. Die Linsen bestehen statt aus geschliffenem Glas aus Metall: Die Kamera soll schließlich Infrarotlicht aufnehmen und das liegt im nicht-sichtbaren Wellenlängenbereich; die Therm-App erfasst das Spectrum zwischen 7,5 und 14 Mikrometer.

Opgal erklärte, dass Fahrzeuge auf 1500 Metern sicher erfasst werden, bei Aufnahme von Menschen beträgt die zuverlässige Erkennungsdistanz 500 Meter. Aufgenommen werden bis zu neun Bilder pro Sekunde. Die Genauigkeit soll bei +/- 2 Grad liegen, der Erfassungsbereich von 5 bis 100 Grad Celsius reichen.

Voraussetzung für die Therm-App ist ein Mobilgerät mit mindestens Android 4.1 und USB-OTG-Anschluss (USB On The Go). Eine Liste der laut Opgal mit der Kamera kompatiblen Smartphones findet sich auf der Website des Herstellers. Die Kamera wird per USB-Kabel verbunden, die Stromversorgung übernimmt dann das Smartphone. Laut Opgal benötigt sie im Betrieb nur 0,5 Watt. Wer die Therm-App entfernt vom Mobilgerät betreiben will – beispielsweise für Drohnenflüge – braucht einen Android-Stick mit WLAN und Akkupack.

Denkbar ist die Therm-App für den Einsatz auf Baustellen (undichte Stellen lassen sich damit nicht-destruktiv aufspüren), zur Energieplanung (Wärmebild von Fassaden, Fenstern, Dächern etc.) oder auch zur Produktentwicklung beziehungsweise Reparatur (c't verwendet solche IR-Kameras bei Tests). Interesse komme auch von Seiten der Jäger, erklärte Opgal gegenüber heise online. Die wollen mit einer Therm-App-Drohne beispielsweise Wildschweine in einem von außen ansonsten undurchschaubaren Maisfelder aufspüren. Und natürlich seien auch Polizei, Feuerwehr und Zoll an der Wärmebildkamera interessiert.

Opgal will das SDK zur Therm-App demnächst freigeben, sodass die potenziellen Nutzergruppen ihre eigenen Verarbeitungsszenarien programmieren können. Die vorliegende Therm-App erlaubt es, die aufgenommenen Bilder sofort an eine Mailadresse zu verschicken oder in die Cloud hochzuladen. Der Preis von 1000 US-Dollar ist laut Opgal ein Einführungsangebot, später soll er bei 1600 Dollar liegen. Einen deutschen Distributor gibt es noch nicht, man kann die Kamera aber über Opgals Webseite bestellen.

[Update 10.09.2014 – 8:30 Uhr] In der ursprünglichen Meldung waren das beiliegende 19-mm-Objektiv und das optionale 6,8-mm-Objektiv vertauscht. Das wurde korrigiert. (uk)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige